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Visionen in Blau-Schwarz
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Auch wenn Hollywood gerne das Schwarz der Nacht durch eine bläuliches Suppe ersetzt: es hat sich ein ganzes Genre von beachtlichen
Filmen eingefunden, die in diesen düsteren zukünftigen Welten zuhause sind.
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Surprise Surprise
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Ob die Filme, in denen am Ende alles anders ist als der Zuschauer und die Hauptpersonen glauben, seinen Anfang mit Wilders
Zeugin der Anklage nimmt? Wer weiss. Sicher ist, dass dieses Genre mit The Sixth Sense von M. Night Shyamalan, dem Mann mit
dem unaussprechlichen Namen, einen Urknall erlebt hat und sich dieses Prinzip einige andere Filmemacher zueigen gemacht haben.
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Teuflisch
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Mitunter ein bisschen okkult geht es hier zu, manchmal aber vor allem einfach nur zu menschlich. Denn teuflische Geschichten
haben manchmal den gefallenen Engel zum Gegenstand, als Louis Cypher (Luzifer?) in Angel Heart, wo einer zurückkehrt aus der
buchstäblichen Hölle und einen Preis zu zahlen hat. Aber auch im Auftrag des Teufels hält man sich in keiner Weise mit Metaphern
und Zweideutigkeiten auf. Nun, aber ob Dämonen, oder nur dämonisches, kopflose Wiedergänger oder nur der Wahnsinn in Tüten,
kranke Killer, die sich auf einen heiligen Auftrag berufen oder unsichtbare Bedrohungen, nicht immer ist der Leibhaftige mit
von der Partie, und wenn, dann oft nur in augenzwinkernder Weise. Schwarze Messen hat keiner dieser Filme im Sinn, die Anbetung
des Bösen schon gar nicht. Eher schon die Verführbarkeit der Menschen, die oft schwere Unterscheidbarkeit zwischen Gut und
Böse, die Hilflosigkeit eines Daseins in einer unmoralischen Welt. Auch wenn es keine moralischen Rührstücke sind und es oft
genug ziemlich würzig zugeht, findet sich das teuflische zuletzt doch immer im Menschen - und das Gegenteil vielleicht in
manchem Happy End auch. Doch auf zu viele Happy Ends sollte man in diesem Genre nicht hoffen. Besser nicht.
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Verschrobener, intellektueller Humor
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Die Geschmäcker, was einen Film sehenswert und eine Komödie lustig macht sind echt verschieden. Doch eines ist klar: Humor,
das davon, was zum Lachen bringt, hat mehr mit dem Ungewöhnlichen, dem Unerwarteten zu tun, als mit dem Alltäglichen. Und
Ungewöhnliches bis zur Pathologie, Unerwartetes bis zur höchsten Kunstform ist hier vertreten. Es handelt sich um Filme, in
denen der Witz nicht sofort zutage tritt, in denen mindestens ein Denkschritt, wenn nicht gar mehrere im Zuseher erforderlich
sind. Um größtmöglichen Genuss aus diesem Humor zu ziehen, hilft es, möglichst auf denselben oder parallelen Pfaden zu denen
der Autoren und Filmemacher zu lustwandeln, und dort ein wenig zu mäandern, bis sich ein Witz hinter der einen oder anderen
Pointe offenbart - daher das Attribut intellektuell. Es will sagen: um die meisten Witze hier zu verstehen muss man mitdenken,
wollen und können. Nicht geradegleich entreißen, aber doch ein gerüttelt - nicht gerührtes - Maß an eigenwilligem Humor muss
man gewillt sein sowohl zu ertragen, als auch selbst mitzugehen, will man in dieser Kategorie glücklich werden. Dies sind
Filme zum mitdenken, Pointen zum erforschen (würde 'erarbeiten' nicht so schrecklich unattraktiv klingen). Ach so und eines sollte man noch hinzufügen: der ungekrönte Meister dieses Genres ist selbstredend Woody Allen. Doch sein
Schaffen ist derart stilsicher anders und derart bedeutend umfangreich, dass er schlicht in ein eigenes Kapitel einziehen
musste.
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Woody Allen
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Woody Allen ist eine Industrie. Ein Ein-Mann-Unternehmen zur Rettung des Intellekts im Amerikanischen Film - falls es so etwas
gibt. Er ist der anerkannte Spötter. Woody Allen ist schlicht eine Klasse für sich. Sein Humor ist einzigartig, seine Figuren
originär, seine Kunstfigur, die nur er selbst als Schauspieler wirklich ausfüllen kann, genial. Und seine Themen sind hinreichend
bekannt: Liebe, Sex, Gott. Sie lesen sich wie ein Who is Who der zentralen Dinge unseres Daseins. Insofern ist Woody ein großer
Philosoph, auch wenn er die Philosophie gerne parodiert.
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Nonsense
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Nonsense ist die gehobene Form des Unerwarteten. Und was ist Humor anderes als Unerwartetes. Damit ist also Nonsense die gehobene
Form des Humors? Oder Humor die gehobene Form des Nonsense?
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Murphy's Law
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In gewisser Weise eine Spielart des intellektuellen Humors ist hier beheimatet. Jedoch eine sehr sehr bösartige. Alles was
schief gehen kann, wird auch schief gehen. Explorationen von Grenzwelten in denen die Hauptfigur nicht die Spur einer Chance
hat. Die Lust an der Dekonstruktion. Pech und Schadenfreude ist das Elixir dieser Filme. Bösartigste Verkettungen unglücklichster
Umstände.
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Science Fiction und Fantasy
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Geht es hier um Zukunft, andere Welten, wilde Phantasien ohne Sinn und Verstand? Ist Science Fiction Unsinn in Tüten, für
Realisten nur Nebenschauplatz? Nein. Im Gegenteil. Es geht immer um unsere eigene Welt, unsere Zeit, uns Menschen. Aber in
verschiedenen Zuständen, Abstraktionsformen und Gedankenspielen. Science Fiction ist lange nicht mehr die blauäugige Zukunftsvision
der nächsten Jahrzehnte oder Jahrhunderte. Science Fiction hat sich unmerklich gemausert vom High-Tech-Spektakel und den Erforschungs-
und Eroberungsphantasien menschlicher Ausbreitung hin zur Reflektion dessen was den Menschen im Innersten bewegt.
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Die guten alten Zeiten
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Der Sandalenfilm hatte mal eine 'große Zeit'. Doch die ist vorbei. Und so ist Troja auch nicht daraus entstanden, daß man
dieses Genre ernsthaft wiederbeleben wollte, sondern als Spin-off. Doch mit den Möglichkeiten der Computeranimation läßt sich
zu akzeptablen Kosten vergangene Welten und unvorstellbares Schlachtengetümmel wiederaufleben und so bedient man sich dieser
Stoffe, ein bisschen so, wie bei den Comic-Verfilmungen, die aus genau demselben Grund eine Renaisance erfahren.
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Pulp
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Schmutzige kleine Drecksgeschichten von Maden, die im Dreck hausen und sich dort pudelwohl fühlen, während sie einander abstechen
und abschießen. Niemand anders als Quentin Tarrantino, dessen Mutter ihm den sperrigen Vornahmen angeblich gegeben hat damit
er auf einer Kinoleinwand formatfüllend ist, hat dieses Genre Anfang der 90er etabliert, man ist versucht zu sagen: erfunden.
Dieses Genre ist Quentin Tarrantino.
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Andere Dimensionen, andere Sitten
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Zuweilen setzt der Film die Elementaren Dinge außer Kraft. Zeit wird in Schleifen oder Rückwärts durchmessen, Welten verschwinden,
die Welt scheint aus der Sicht nicht aller Beteiligten dieselbe. Dies geht oft mit komischen Momenten einher, aber auch mit
nachdenklichen und Dramatischen, tasten wir doch die Grenzen ab zum Tod, zum Nichtsein, oder erleben einfach eine gänzlich
verschobene und damit untergründig verängstigende, wenn nicht gar verstörende Welt. Diese Filme unterhalten in aller Regel
nicht nur, sie nehmen den Zuseher mit auf eine abstrakte Reise an deren Ende nicht selten die Selbsterkenntnis als Errungenschaft
und Ziel steht.
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Lehrer und Schüler
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In einem kleinen Genre treffen zwei Charaktere aufeinander die sehr unterschiedlich sind und sich schnell in eine Lehrer-Schüler
Beziehung einfinden. Mit der Zeit wird dann mitunter unklar, wer der Lehrer und wer der Schüler ist, weil sich die Werte verschieben,
weil der vermeintlich Überlegene seine Schwächen, mitunter schmerzhaft, kennenlernt, der vermeintlich Schwache seine Stärken
findet und sie, mehr oder minder selbstbewusst, in die Beziehung einbringt. Weil diese Filme von den Schwächen und Stärken
von Menschen handeln und, wenn sie klug gemacht sind, die Stärken in der Schwäche ebenso offenbaren, wie die bittere Schwäche
mancher zuweilen so Überlegenen und so selbstherrlichen Zeitgenossen, sind sie oft lehrreich und trotzdem nicht langweilig.
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Comicverfilmungen
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Daß die Verfilmung von Comics nach dem Eintagsfliegenerfolg von Superman in den 70ern im neuen Jahrtausend einen echten Boom
erlebt ist kein Zufall: Comics handeln fast nie vom Alltag ganz normaler Menschen. Sie sind geradezu das Gegenteil davon.
Und nicht ganz zufällig heißt eine berühmte Comic-Reihe auch 'Marvel' Comics. Staunen und Wundern, das soll der Leser von
Comics und sich in Welten entführen lassen, in denen Superhelden der Welt Gerechtigkeit bringen und mit Superfähigkeiten Superbösewichte,
die gewöhnlich die Weltherrschaft anstreben, vertreiben. In diesem Sinne sind auch die guten alten James-Bond Filme eigentlich
Comic-Filme nur ohne ein tatsächlich gemaltes und gedrucktes Vorbild. Und eine weitere Eigenschaft ist diesen Comic-Filmen
zueigen, die wir auch schon bei Bond finden: die Serie. Kaum einer kommt ohne Sequel und Sequel zum Sequel usw. daher.
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Suspense und Whodunnit
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Der Whodunnit ist die klassischste Form des Krimis, der Suspense-Thriller seine elaborierteste. Würden wir hier nicht ausgesucht
nur den modernen Film besprechen, wäre diese Rubrik eine One-Man-Show von Alfred Hitchcock.
Denn den Suspense hat Alfred Hitchcock wenn schon nicht erfunden, so doch zu einer frühen Meisterschaft getrieben und durch
alle seine Filme hindurch intensiver weiter entwickelt, als jeder andere seiner Kollegen hinter oder vor der Kamera. Und neben
den vielen offensichtlichen und weniger offensichtlichen Verehrern von Hitch, von Scorsese über di Palma bis zu Verhoeven
hat sich der Suspense als ein Stilmittel verbreitet und weitervererbt, als eine untergründige Anspannung, die den Zuseher
befällt, obwohl, oder gerade weil momentan nichts zu passieren scheint. Eine Art wahnsinnig machender Hilflosigkeit ob dem
Dräuenden, auf das Einfluss nicht möglich ist, um das Unheil abzuwenden, ein bisschen, das Spiel mit der Phantasie des Zusehers,
die bekanntlich schlimmere Monstren zu gebären imstande ist, als es je ein Bild oder Special Effect vermöge.
Das Gegenstück zum Suspense, in dem der Bösewicht oft von Vornherein offenbar ist, oder die Suche nach ihm gar nicht zum Gegenstand
wird, ist der Whodunnit, ein ebenfalls dem Hitchcock-English entstammender Begriff, eigentl: Who Done It?, Wer ist der Täter?.
Die Suche nach dem Verbrecher.
Doch wie bei allen zu früh geborenen finden sich hier nicht seine Werke, sondern die seiner Nacheiferer und geistigen Kinder
und Enkel.
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Schneller, schneller, Action
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Action ist, wenn es kracht und qualmt. Nun, das ist auch in anderen hier referierten Genres so, man erinnere sich nur an die
Visionen in Blauschwarz, wo Arnie und Co ihr Unwesen treiben. Doch im Gegensatz zu diesen Science-Fiction Thrillern, bewegen
wir uns hier in der - oftmals harten - Realität. Hier kommen keine Roboter aus der Zukunft und keine Androiden killen sich
gegenseitig. Hier wird mit realen Waffen gekämpft, in realen Umgebungen, mit realen Feinden und (zugegeben) etwas überrealen
Heldenfiguren. Freilich ist dies nicht die Abteilung Literatur und Dokumentation, aber immerhin bewegen wir und weitgehend
in unserer Zeit und in der uns bekannten Welt.
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Eros
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Erotik wird viel produziert. Angeblich. Doch was haben Filme wie 91/2 Wochen oder Emanuelle mit Erotik zu tun außer dem recht
großzügigen Umgang mit nackter Haut? Die Antwort ist simpel. Zumeist gar nichts. Sie sind sterbenslangweilig. Keine Stilrichtung,
kein Thema der Filmgeschichte erfreut sich eines derart illustren Spektrums und dabei einer derart umfangreichen Auswahl von
Dämlichem bis Unerträglichem. Duch unter all dem Schrott finden sich Preziosen, kleine Meisterwerke, die keiner Irritation
ob des Themas zum Opfer gefallen sind.
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Zurück in die Realität
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Die Wirklichkeit schreibt die besten Geschichten. Wer wird dies bezweifeln wollen. Und noch einen weiteren Vorteil hat das
Ganze: diese Dinge sind wirklich geschehen, wenn nicht exakt genauso, so doch in dieser Weise. Man kann hier etwas lernen.
Über die Welt über die großen und kleinen Ereignisse, die die Menschen und die Menschheit bewegen. Über Leben und Lebensentwürfe,
über die Grausamkeit der Welt und ihre bedingungslose Schönheit über Schicksale und das Zermürbende des Daseins. Viele dieser
Filme sind Biographien oder leben ein Ereignis nach. Andere beschreiben fiktive Personen in einem realen Umfeld, wobei die
Personen oft dazu dienen, Identifikationspersonen zu generieren, anhand derer die realen Ereignisse unmittelbar für den Zuschauer
erlebbar werden. In jedem Fall wird hier versucht, die Welt zu beschreiben, auf eine sehr direkten, vielleicht sogar phantasielose
Art: es geht um wahre Begebenheiten.
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Über die Realität hinaus
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Verschwörungstheorien, Geheimgesellschaften und Filme darüber. Verschwörungstheorien sind die Pornographie des neuen Jahrtausends.
Was kann man auch von einen Jahrtausend erwarten, das vom 11. September eingeläutet wurde und in dem Medien eine Realität
jenseits der Realität jeden Abend auf unsere Bildschirme zaubern. Zwischenwelten entstehen, Subkulturen und Halbwahrheiten,
jeder scheint informiert, Wichtigtuer 'informieren' andere, Jünger, im Internet. Alles hat eine Bedeutung.
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