Kanon des modernen Films
Die nackte Kanone 2 1/2
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Anmerkungen
Die nackte Kanone 2 1/2
Die Nackte Kanone-Reihe hat ganz klar einen Höhepunkt: Teil 2 ½. Keine andere Komödie bietet derart viel Skurriles, Absurdes, Abwegiges und Pathologisches in derartigem Stakkato, wie dieser. Wo Teil 1 durch die Lange Baseball-Sequenz am Ende Punkte verliert, schlicht, weil diese zu sehr auf den amerikanischen Heimatmarkt und die hiesige Kultsportart fokusiert ist, wo Teil 33 1/3 den Slapstick total überdreht und wieder sehr viele inner-Amerikanische Seitenhiebe und Anspielungen enthält, die man als Europäer nur schwerlich versteht, findet sozusagen 2 ½ die richtige internationale Sprache des Slapstick und des totalen Chaos.
Wie die Zeiten sich ändern, zeigt sich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Frank Drebin's Urahn unzweifelhaft Inspektor Clouseau ist, der von Altmeister Blake Edwards in Szene gesetzte und von Peter Sellers mehr als nur verkörperte Chaos-Polizist. Doch wo Clouseau doof-trottelig daherkommt und den Film mild mit Idiotie und Zerstörungspotential heimsucht, ist Frank Drebin eine permanente Quelle totalen Irrsinns. Wo im Kino der 60er Jahre das leise Durcheinander noch hinter vorgehaltener Hand 'Huhuhu-Hohoho' beinahe verschämt als schadenfrohe Persiflage eherner und absolut ernst gemeinter Krimis lustig-nett für die ganze Familie gefunden wurde, ist Drebin dreißig Jahre später nur eines: Anarchie pur. Wo dort alt-ehrwürdige Schauspieler vom Schlage eines David Niven in ihrer ganzen Eleganz durch den Film gleiten dürfen, wird bei Drebin der ebenso altehrwürdige Kollege George Kennedy nebst Elvis-Witwe Priscilla rücksichtslos zum Gegenstand wahnwitzigsten Slapsticks.
Hier werden absolut keine Gefangenen gemacht. Hier heißt es im Kino, anschnallen, sonst beißt man in die Rückenlehne des Vordermannes. Es ist nicht zu erwarten, dass man sich volle 82 Minuten auf dem Kinositz halten kann, mit akuter Erlahmung der Zwechfellmuskulatur inklusive aller Folgeerscheinungen muss schwerstens gerechnet werden.
Drebin zerstört, wie in den Filmen der Zucker Brüder, nebst Komplize Jim Abrahams üblich, alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Begrüßt einen Rollstuhlfahrer mit den sensibel erwählten Worten, Behalten Sie ruhig Platz, befördert Präsidentengattin Barbara B. mehr als einmal durch Kinnhaken aus der Szene, liefert sich mit einem Attentäter einen Kampf um Leben und Tot in dem dieser ihn mit einer elektrischen Zahnbürste die Zähne putzt während er mit einem eingeschalteten Föhn dagegen hält. So geht es in einer endlosen Reihe von Gags weiter. Dies hier nachzuerzählen ist langweilig, die Liste der offensichtlichen Gags mindestens ebenso lang, wie derer, die sich irgendwo in der Staffage im Hintergrund finden. Selbst die Schlagzeilen der Zeitungen, die irgend eine Nebenperson im Hintergrund ließt sind voller Gags. Leslie Nielsens Grimassen sind allein bereits ein Brüller und die Persiflage aller Anderen Haupt- wie Nebenpersonen auf die üblichen Klischees des Polizeifilms so treffend, dass man bei vielen Szenen nicht ganz zufällig meint, man hätte das irgendwo so oder so ähnlich doch schon mal gesehen.
Denn natürlich strotzt die Handlung vor Zitaten aus anderen Filmen und diversen Anspielungen auf James Bond und andere Superhelden im schwarzen Anzug. Die Bösewichter kucken böse drein, wie überall, nur in der Nackten Kanone sind die Guten derart dämlich, dass die nicht minder dämlichen Bösen sich schon besonders ungeschickt anstellen müssen, dass Drebin am Ende als der große Held gefeiert werden kann. Was er wird. Übrigens: Peter Sellers wäre nur ein Jahr älter als Leslie Nielsen, würde er noch leben.




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