Falls es noch nicht gesagt worden sein sollte: Coen Filme bestechen durch Wortwitz. Und nichts ist schwerer zu übersetzen
als Wortwitz, um nicht zu sagen: unübersetzbar. Vor allem, wenn man dabei einen Wortschatz von 270 Tausend englischen Wörtern
auf knapp 100 Tausend deutsche herunterbrechen muß. Daher ist es unabdingbar diese Filme im amerikanischen Original zu sehen, sonst entgeht einem der hauptsächliche Spaß. Und
um Spaß geht es bei den Coens. Jede Form von Spaß. Dreckigen Spaß, fießen Spaß, kriminellen Spaß, Spaß. Manchmal meint man,
den Spaß zu spüren, den sie beim schreiben des Drehbuches hatten. Und dieser wird dann akribisch übersetzt in Bildsprache
und krumme und schräge Personen und Handlungsverläufe. Das Krumme und Schräge ist überhaupt das Markenzeichen der Coens. Kaum
jemand anderer dreht so genüßlich Filme, die voll sind von durchgeknallten und teilweise liebenswerten Freaks. Dabei ist die Bösartigkeit ihrer Sichtweise durchaus ganz ähnlich der Tarrantinos und doch anders. Tarrantinos Spaß am Schreiben
hat oft etwas überdrehtes, highes, rauschhaftes, man möchte keinem unterstellen, unter Drogen zu schreiben, doch die meisten
tun es sowieso. Der Spaß der Coens ist subtiler, kalkulierter, intellektueller, und darüber hinaus allgegenwärtig. Es ist
letztlich eine Frage des Charakters. Bei Tarrantino ist der Spaß oft blutig, orgiastisch, gewaltsam und explosiv. Die Coens
sind nüchterner, feinere Beobachter und zynischere Nadelstecher. Ihr Spaß kann in einem entgleisten Gesichterausdruck, einem
sich selbst gestellten Bein, einer Überreaktion, in einer miesen kleinen Sauerei bestehen. Man erinnere sich an die Szene
in Intolerable Cruelty in der Clooneys Sekretärin die gelinkte Zeta-Jones ankündigt und der sonst so schmierig-souveräne Anwalt
aufgelöst die Sekretärin fragt stellt: "Äh, ist sie bewaffnet?" Tarrantinos Sauereien sind große Sauereien, prall und spritzend.
Unsubtil. Mal von Jackie Brown abgesehen. Die Coens scheinen nicht einmal zwischen Realität und Filmwelt zu trennen, was den Spaß angeht. Für Fargo sollte der Kameramann,
der im Abspann des Films genannt wird für den Oscar nominiert werden, und er gewann. Leider gab es diesem Menschen überhaupt
nicht, aber die Coens fanden, man könne einen Film nicht ohne Kameramann im Abspann anbieten, keiner dachte, Mr. Nichtexistent
würde einen Preis entgegen nehmen müssen. Im Interview zu The Man Who wasn't There erklären die Brüder: "Wir wollten schon
immer mal einen Film über einen Friseur machen" und "aber natürlich wurde die Story erst interessant als die Trockenreinigung
dazukam." Diese Beschreibung ist gleichermaßen treffend, wie irreleitend. Ja, es geht um einen Friseur, nein, ansich ist die
Trockenreinigung Staffage, jedoch kommt durch sie der Stein der Räuberpistole, die die Coens hier einmal mehr verbrochen haben
erst ins Rollen.
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