
|
 |
|
|
|
Anmerkungen
|
Irgendwie ist dieser Film sehenswert und irgendwie ist er auch cool. Irgendwie. Vor allem ist er aber höchst seltsam. Bei
genauem Hinsehen stellt man fest: dieser Film ist ein Fantasy-Film. Er spielt nicht in unserer Welt, schon garnicht in unserem
Universum. Der Film spielt im Universum des Humors, den eigentlich nur Bill Murray beherrscht. Bill Murray, wohin man blickt. Bill Murray bezieht seinen Humor in diesen Rollen nicht allein aus seiner typischen lakonischen Haltung zu allem und jedem.
Oft spielt er mit dem Ausdruck, er habe schon vor Jahrhunderten seine letzte Selbstachtung verkauft, Bestechlichkeit bereitete
ihm kein Problem, ist ihm als Einkommensquelle eher willkommen. Gesellschaftliches Ansehem ist ihm einerlei und sollte er
keines haben auch - er hat längst aufgehört sich darum zu mühen. Diese oft genug wortkarge und doch vielsagende Haltung die
er seinen Figuren so makellos verpasst ist vorsichtig formuliert auch einmalig und findet sich in all seinen Filmen wieder:
von Ghostbusters über Täglich grüßt das Murmeltiert bis Lost in Translation. Natürlich sind das nicht 'seine' Filme, hinter
Ghostbsuters steckte Dan Akroyd (formals Elwood Blues) und hinter Lost in Translation Sophia Coppola. Und doch macht Murray
diese Filme zu seinen Filmen, prägt ihnen seinen typischen Stempel auf, dominiert sie mit seiner unvergleichlich melancholisch-cynischen
Spielweise. Man gerät ins Schwärmen für diesen manchmal wirklich subtilen Humor. Die Tiefseetaucher ist ein Film, der das Prinzip Bill Murray zum Konzept des gesamten Films erhebt. Alles scheint in einem
irgendwie langsameren und comichaften Paralleluniversum abzulaufen. Eine Art debiler warmer lakonischer Traum in dem alles
wie ferngesteuert zu geschehen scheint, wo die großen Probleme des Daseins mit einem Fingerschnippen gelöst werden, während
die kleinen Dinge teil unüberwindlich große Probleme darstellen, je unbedeutender desto größer. Nur eine Hauptfigur wie Murray kann in einer solchen Welt bestehen, er ist hier der Held. Indem er alles, was passiert mit
der lakonischen Dickfelligkeit hinnimmt, bekrönt nur von einem immer irgendwie unecht und gespielt wirkenden Anteilnahme,
von halbgaren Gefühlsausbrüchen, im vollen und längst resignierten Bewußtsein dadurch keines, aber auch gar keines der dräuenden
Ereignisse beeinflussen zu können. Die Tiefseetaucher ist ein Titel, die den Film besser beschreibt, als der Originaltitel, der mehr eine Parodie auf Jaques
Custau verspricht. Als solche ist der Film sicherlich ursprünglich konzipiert gewesen, allein schon der allgegenwärtigen roten
Wollmützen wegen. Doch daraus geworden ist viel mehr. Irgendwie sind all diese Menschen, die den Film bevölkern merkwürdig
flach, abziehbilder in einer Abziehbildwelt. Wie die Protagonisten in dem Film miteinander umgehen ist gelinde gesagt skurril.
Das ist gewollt und der Humor fließt aus dieser Stimmung. Alle Fische überhaupt alle Tiere, die eine Rolle spielen in diesem Film existieren nicht in unserer Welt. Es erinnert an unsere
Welt, und doch erscheint es mehr wie ein Puppentheater, künstlich, blutleer im besten Wortsinne und vor allem irgendwie liebenswert. Natürlich scheint man sich in derselben Parallelwelt zu befinden in der Wes Anderson bereits seine Royal Tennenbaums, ebenso
debil und nirvanös platziert hatte und wohin schon Rushmore seinerzeit noch unmerklich aber ebenso unaufhaltsam wies.
|
|
|
| 
|