Kanon des modernen Films
The Mothman Prophecies
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Anmerkungen
Die Mothman Prophezeiungen
Die Geschichte um das Auftreten des Mottenmanns in Ohio kommt zuerst als Starkino, als ein gut gestylter Mystery-Thriller mehr daher. Diesmal gestrickt um Schönling und Pretty-Woman-Retter Ritter-in-Weiß Richie Gere. Eine Spätfolge der Mystery-Welle, die AkteX Anfang der 90er losgetreten hatte. Alles normal. Wäre da nicht die im Sektor Mystery stets seltene und Unheil verkündende Bemerkung: "Diese Geschichte basiert auf wahren Ereignissen". Und auch das wäre verkraftbar, bliebe es bei schrägen Sichtungen a'la UFO und wirren Landeiern. Doch, nein...
Empfangen wird der Zuseher von der ersten Sekunde an von einem exzellent gewählten Soundtrack und sofort von jenen äußerst unangenehmen Nadelstichen, die die Story ab jetzt geruht regelmäßig tief und schmerzhaft in die Seele des Zusehers zu stechen - und das in einer Regelmäßigkeit und Häufung, dass es beinahe kein Genuss mehr ist. Zu diesem Zeitpunkt will man schon nicht mehr, dass diese Geschichte wahr sein könnte. Denn unangenehmer- oder auch angenehmerweise folgen diese Ereignisse nicht Schema F, sondern verlaufen sehr überraschend, sehr abwechslungsreich, so wie es letztlich nur die Wirklichkeit erzählen kann, man erkennt das intuitiv.
In Szene gesetzt von einem Meister hinter der Kamera - die suggestiv-subjektive Kameraführung und die völlig abgefahrenen Blickwinkel hätten für sich allein einen Sonderpreis verdient. Umso mehr als die äußerst bedrohliche und schizophrene Atmosphäre durchgehalten wird bis zum Schluss. Wo andere Filme am Ende durch halbherzige Aufklärung ihrer spektakulräen Begebenheiten oft genug scheitern, enttäuschen und das vorher erarbeitete wieder einreißen, ob der dürftig und ganz amerikanisch dünnen 'Erklärungen', bleibt der Mottenmann seinem bedrohlich überlegenen Stil bis zum Ende treu: gruselig, unheimlich, irre.
All dies, Kamera, Sound, Musik, Schnitt fließt zusammen zu einem Überfluss an nervenzerrenden Eindrücken, durch die Richard Gere sich glaubwürdig quält und haut und sticht und dem Zuseher nur die beständige Hoffnung bleibt, die wahren Begebenheiten, auf der diese Story beruhen soll, möge die Diagnose schwerer Schizophrenie der Hauptfigur sein und nicht etwa die Existenz des Motten-Dämons. Doch man bleibt nicht verschont. Reale dokumentierte Ereignisse bis hin zu einer größeren Katastrophe, die durch die Medien ging, reihen sich aneinander und die Autentizität der Zeugenaussagen lässt sich bis zu Archiven von Tageszeitungen nachprüfen.
Schlimmer als jede Phantasie ist die Vorstellung, diese Dinge könnten wirklich wirklich sein. Mag es etwas wie den Motten-Dämon geben? Will er helfen und ist deswegen an Orten großer Katastrophen zugegen, oder labt er sich am Leid der Menschen?
Eines ist klar: den Alptraum den der Pretty-Woman-Ritter hier erlebt, möchte man seinem schlimmsten Feind nicht wünschen. Das Wort Meisterwerk wird inflationär verwendet, doch sehr sehr starker Tobak, das ist dies in jedem Fall.




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