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| Sakrileg - The Da Vinci Code |
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Anmerkungen
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Manchmal sind Filme nicht so sehr wegen ihrer fabelhaften Ausführung von Bedeutung, sondern, weil sie ein wichtiges Thema
aufgreifen. Und das Thema dieses Filmes ist nicht etwa die Kirche und ihre Machenschaften und ihre mitunter düsteren, gar
nicht so heiligen Handlanger. Auch ist es nicht die Frage nach Kunstwerken und deren Interpretation, gar ihrer versteckten
Botschaften. Schon gar nicht von Bedeutung ist die Hatz zweier imaginärer Personen durch teilweise reale, teils unrealistische
Sujets. Neinnein. Sakrileg befaßt sich im Kern mit einer sehr irdischen Thematik, einer sehr wichtigen dazu, geht sie doch um die 50% der Menschheit
elementar an: der Stellung der Frau in der Gesellschaft und mögliche Ursachen für diverse Mißstände, wie Unterdrückung und
Mißachtung in unserer westlichen i.e. christlich geprägten Zivilisation. Man muß keine Emanze sein - und der Autor ist wahrlich weit davon entfernt - um zu erkennen, daß die beiden im Film bis aufs
Messer widerstreitenden Philosophien, deren Auseinandersetzung so eloquent als Krieg zweier Weltanschauungen und Religionen
inszeniert wird im Kern die Frage drehen, ob die Frau als Heilige oder Hure, als Engel oder Teufel, als Garant und Symbol
des Lebens oder als Verführerin und Zerstörerin zu sehen sei. Denn worum dreht sich Sakrileg im Kern? Maria Magdalena, die angebliche Hure, hatte ein Kind mit Jesus. Soweit so gut. Für
den modernen aufgeklärten und liberalen Europäer kein wirklicher Anstoß mehr. War Jesus also nicht göttlich, sondern Mensch?
Auch diese Frage mag nicht jeden mehr zu elektrisieren. Und schon gar nicht mag mehr verständlich sein, weshalb schon das
Buch von Dan Brown vom Vatikan offiziell angeprangert und dessen Lektüre als für Christen ungeeignet eingestuft wurde und
später nun auch der Film diverse Hetzkampagnen erleben mußte. Ist das alles heute noch von Bedeutung? Wieder einmal ist der Heilige Gral der Suche Ziel. Nur wird der gute alte Becher mit dem Jesus sein letztes Abendmahl feierte
und der fortan eine Schlangenlinie durch die europäische Geschichte beschrieb nun als etwas ganz anderes identifiziert. Der
Gral ist nicht ein Becher, sondern ein anderes Gefäß: eine Frau. Und das Blut Christi das er aufgefangen haben soll, als Jesus
am Kreuz hing, oder für orthodoxere Gemüter, als Jesus seinen Wein in Blut verwandelt hat, dieses Blut war nie das Blut seiner
Adern, sondern vielmehr seine Blutlinie. Der Leib seiner Frau, Maria Magdalena nämlich enthielt sein Blut, seinen Nachkommen.
Und dieser Gral wurde hinfort aus Israel, in Sicherheit, man möchte meinen hinfort von den religiösen Eiferern des nahen Ostens,
nach Europa gebracht. Nun war die frühe Kirche darüber nicht angetan, weil die Göttlichkeit Jesu in Wahrheit der Fels war, auf dem ihre Kirche gebaut
war. Wäre nun Jesus der Gewöhnlichkeit des Menschseins anheim gefallen indem er Nachkommen gehabt hätte, die nicht mehr und
nicht weniger göttlich waren, als das restliche Volk, so wäre das Christentum wahrscheinlich sang und klanglos wieder verschwunden,
anstatt über mehr als zehn Jahrhunderte Europa kulturell und politisch fest im Würgegriff zu halten. Diese Frage entschied und - wer will - entscheidet bis heute über die Autorität der Kirche. Ist der Papst Stellvertreter eines
göttlichen Jesus auf Erden? Ist der Papst unfehlbar? Sind seine Entscheidungen göttlich oder ist er doch nur der Stellvertreter
eines Menschen, der am Kreuz gestorben ist. Das alles mag uns nicht mehr so sehr bewegen, wie es vielleicht vor Jahrhunderten
noch eine Frage von Leben oder Tot gewesen wäre. Aber eines bleibt. Hat die Kirche sehr früh begonnen die Frauen zu diskreditieren um von Maria Magdalena und ihrem Sprößling abzulenken? Hat
die Kirche eine Hetzkampagne gegen Frauen inszeniert, die ihr bald aus den Händen glitt und zu den Hexenverbrennungen führte
um die kulturell viel ältere Bewunderung für die Fruchtbarkeit, für die die Frau wie kein Zweites steht, zu unterminieren
und in einem Handstreich die männliche Übermacht ein für alle Mal zu betonieren. Eva sollte bis zum jüngsten Gericht büssen
für die Verführung und die anschließende Vertreibung aus dem Paradies. Doch war es am Ende weniger die Verführung Adams, die
man fürchtete als die Jesu? War die alte Geschichte nur der Vorwand für die seinerzeit akute politische Notwendigkeit, die
religionsstiftende Göttlichkeit Jesu zu wahren? Die Frauen haben sich von diesem Stoß, mit aller Macht geführt und von Gott
und Jesus und allen kirchlichen Autoritäten bezeugt nie erholt. Als dumme Kindchen neben ihrem gebildeten Herrn mußten sie
über die Jahrhunderte die zweite Geige in jedem Aspekt des Lebens der christlichen zivilisierten Europäer spielen. Erst die
Emanzipation begehrte auf und überschlug ihre Ziele in Männerhaß und ihrerseitigen - wie Du mir so ich Dir - Phantasien von
weiblicher Überlegenheit und Allmacht. Ungleichgewichte hat es erzeugt und jahrhundertelanges Leid hervorgebracht, das was
vielleicht damit begann, Maria Magdalena zu diskreditieren. Und dieses zu thematisieren, die Ursachen der Unausgewogenheit des Männlichen und Weiblichen in unserer Kultur zu untersuchen
ist vielleicht ein Sakrileg, aber vor allem ein wichtiger Beitrag zur Gerechtigkeit unter den Menschen. Ob es so war oder
nicht. In jedem Fall ist in diesem Kampf der Kulturen derjenigen der Vorzug zu geben, die bewundert und nicht der, die unterdrückt.
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