Ein Film, der einem im Gedächtnis bleibt, obwohl man nicht recht weiß, warum. Vielleicht deswegen: Fincher ist ein Könner,
das ist nach Fight Club und The Game wohl keiner Diskussion mehr wert. Und der Stoff an den er sich hier gewagt hat, sollte
von nicht weniger als einem Könner umgesetzt werden, sonst ist eine Bauchlandung unvermeidlich. In ähnlich nüchtern-realistischer Sichtweise, ganz ähnlich wie Spielberg sein 'München' zeigt, erzählt Fincher hier eine Geschichte,
die man eigentlich gar nicht erzählen kann, schon gar nicht spannend. Über mehr als 30 Jahren erstreckt sich das Trauma, das
Zodiac über jeden bringt, der sich mit ihm befasst und in schnappen will, über die Stadt die er terrorisiert sowieso. Doch
keiner schafft es, ihm af die Spur zu kommen. Wie sein großer Bruder Jack the Ripper scheint er gar nicht zu existieren. Fincher
erzählt diese ansich lahme Polizisten-Story in schnellen Bildern und schnellen Zeitsprüngen, läßt dem Zuseher oft kaum Zeit,
sich an der durchaus gelungenen Kamera, an den klugen Dialogen und dem blinden Stochern der Polizisten ein wenig zu ergözen.
Und nach 160 min wünscht man sich, die Hatz ginge weiter, man wünscht sich, das Monster möge doch gefunden werden, will im
beinahe selben Wahn, wie die Hetzjäger der Polizei und der Journallie nur noch eines: dem Killer in die Augen sehen und von
ihm hören, dass er es ist - Zodiac. Der Killer im Zeichen des Tierkreises, der ein Fadenkreuz und gleichzeitig Name und Symbol
einer Uhrenfirma zu seinem Pseudonym macht. Zodiac, der seine Verbrechen der Polizei meldet und codierte Briefe in Zeitungen
veröffentlichen läßt. Zodiac, der Freak, der zu intelligent ist um einfach nur ein durchgeknallter Psychopath zu sein, der
krank genug ist, um wahllos zu töten, der einen offenbar unstillbaren Hunger nach Macht und Aufmerksamkeit verspührt. Es geht um die Verletzlichkeit jedes Einzelnen gegenüber einem Monster, das wahllos mithin ohne Motiv, ohne Zusammenhang tötet
und genau deshalb unauffindbar ist, einfach wieder in der Menge verschwindet. Und Mythen gebären Mythen. Eine der ersten Verfilmungen
des motivlosen Killers gebahr 'Dirty Harry'. Und dann serviert uns Fincher unvermittelt diese Pointe und läßt den Zuseher im Regen stehen. 40 Jahre nach seinem ersten
mutmaßlichen Mord weiß niemand, wer Zodiac ist und wahrscheinlich wird es nie jemand erfahren - wie bei Jack the Ripper. Was David Fincher präsentiert ist eine elegante Reality-Show, die die 70er unaufdringlich und ironisch wiederauferstehen läßt.
Zodiac ist eine leise Tour-de-Force durch einen wahren Mythos.
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