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Angekündigt wurde mir der Film als 'ein langweiliger Scheiß'. Und in der Tat kommt er ungewöhnlich real, düster, grau daher,
wie ein alter Buchhalter. Keine Helden-Action, kein Retten der Welt. Dies hier ist die Realität, mehr ist sie das, als der
Zuseher es wirklich wissen will. Offenbar neigen die großen Erzähler unserer Zeit, zu denen Steven Spielberg unzweifelhaft
zählt, mit zunehmender Reife immer mehr dem Realen zu, der Abbildung des Wahren anstatt der unterhaltsamen Illusion. Kein
Spielberg-Gehabe hier mit lustigen Einstellungen und sympatisch-chaotischen Charakteren. Höchstens, allerhöchstens und nur
dann ein bisschen, dann, wenn er die Israelis portraitiert. Das klingt dann wie ein entferntes Echo seiner früheren leutseligen
Komödien. Ganz klar auf welcher Seite seine Sympathien liegen. Ein Film damit über fünf ganz unterschiedliche Männer, zivilisiert,
humorvoll, normal, Alltagstypen. Nur eines haben sie gemein: sie arbeiten im Auftrag des Gehmeindienstes. Sie töten im Auftrag
ihres Landes. Eigentlich ein Heimatfilm. Denn es geht um die Heimat der Juden. Aber am Ende ist das einzige was bleibt die
Erkenntnis, dass Killer wenn nicht ihr Leben, so doch ihre Seele verschachern. Es wird ein langer Film über das Töten. Ein Film, der sich ganz langsam, beinahe behutsam ausbreitet mit seinen aufs unangenehmste
normalen Hauptfiguren (es könnte jeder sein) in dieser ganz unnormalen Geschichte eines verdeckten Krieges. Er schleicht sich
ein in der Seele des Zusehers, drängt sich nicht auf, aber erlangt einlass, unwiderstehlich und beharrlich, so, wie diese
Agenten des Mossad sich den Zielpersonen nähern, sie umzingeln, die Schlinge anlegen und sie dann konsequent töten. Eine blutig
graue Tournee durch die Metropolen Europas auf der die Killer wie die sieben Plagen über die Feinde Israels kommen, sie suchen,
sie finden und töten. Still, unsichtbar, unaufhaltsam. Es ist nichts Glorioses in dieser Tätigkeit, kein Rum, das lehrt Spielberg sehr schnell. Das lernt der Zuseher lange vor den
Protagonisten. Und es ist ein Geschäft bei dem man sich nicht nur die Hände schmutzig macht. Diese Killer der Monster, sie
werden selber zu Monstern. Durch die Gewalt, die sie anwenden geraten sie unweigerlich selbst in die Hölle ihrer eigenen Gewalttätigkeit.
Alles was sie tun wird auf sie zurückfallen, wenn nicht gleich so doch hunderttausendfach in ihrer Phantasie. Paranoia und
reale Angst mischen sich. Die als Präzisionsoperationen geplanten Attentate werden zu einem Krieg mit Kollateralschäden. Am
Ende sind es nicht 11 Araber die sterben, sondern hunderte, Zivilisten, Unschuldige, durch Rache und Vergeltungsaktionen.
Auge um Auge funktioniert nicht. Und derweil wird die Welt leer um die Protagonisten, die Welt wird unbedeutend, wenn man
tötet. Man wird einsam und paranoid. Denn man weiß: da draußen sind viele sehr gefährliche Männer, die nur darauf warten die
Rechnung zu begleichen, die man aufgemacht hat. So sind sie, die wahren Geschichten. Hier gibt es keine strahlenden Helden, nur die schmutzige kleine Wahrheit. Und jeder
stirbt für sich alleine. Vor unendlich lange erscheinender Zeit sagte ein Naivling namens Luke Skywalker einmal zu einem Hutzelmännlein
im Kino: Ich suche einen großen Krieger. Und das Hutzelmännlein antwortete keck: Oh, groß machen Kriege niemanden. Spielberg
hat mit 'München' diesen Satz auf einen ganzen Film ausgedehnt. Als übergroßen Beweis der Sinnlosigkeit des Schlachtens. Platon
sagt: Man ist kein guter Mensch für die anderen, sondern für sich selbst. Nur wer eine reine Seele hat kann glücklich sein.
Dafür soll man Gutes tun. Und ganz am Schluss, nachdem die Hauptfigur dann erfahren hat, dass er 'für den Frieden getötet' hat, zeigt uns Spielberg
die Skyline von New York, dominiert vom World Trade Center. Eigentlich ein klarer Fechter für die Kategorie 'Spione', wenn es eine erfundene Story wäre. Aber so - eine wahre Geschichte.
Man muss sich entscheiden. Und dass es wahr ist, was hier gezeigt wird, hat mehr gewicht, viel mehr Gewicht, und wie wahr
es ist. Und das macht die Sache mit der Zuordnung dann ganz klar.
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