Ein Typ lässt sich das Gesicht eines anderen Typen chirurgisch montieren. Dann stellt der andere Typ fest, dass ihm da in
der Mitte seines Vorderschädels etwas verlustig gegangen ist, findet das momentan halterlose Antlitz des Entwenders - und
lässt sich kurzerhand das selbige seinerseits aufoperieren. Hä? Wat ein Scheiß...! Noch wert zu erwähnen: der eine Typ ist
Federal Marshall, der andere von Beruf Terrorist. Und - allem Unfug zum Trotz - dieser Film einer der abgefahrendsten und
sehenswertesten Action-Knaller die je ein Kino gezeigt hat - soviel steht fest. Nun, was klingt, wie, sagen wir es offen, der letzte Schwachsinn mutiert unter der Hand von Hongkong-Legende John Woo, zwischenzeitlich
in amerikanische Dienste getreten und mit der Opulenz von Hollywood Produktionen ausgestattet, zu einer der schnellsten, spannendsten
und furiosesten Action-Opern, die die Welt je gesehen hat. Die krasseste Undercover-Aktion der Filmgeschichte. Dieser Film übertritt jede Geschwindigkeitsbegrenzung. Kommt Terminator 2 schwergewichtig wie sein panzerartiger Hauptdarsteller
daher, ist dies hier ein Kampfjet: schnell, wendig, tödlich. Jedesmal, wenn man glaubt die Handlung endlich im Griff zu haben,
absehen zu können, was als nächstes passiert, schlägt sie einen Haken wie ein Karnickel und überrascht von neuem. Die beiden
Hauptakteure, die drei Viertel des Films die Rolle des anderen mimen dürfen, versuchen sich gegenseitig nicht nur zu killen,
sondern auch an die Wand zu spielen. Cage bewegt sich plötzlich wie Travolta, Travolta mutiert vom Rache-getriebenen FBI-Mann
zum manischen Killer - es ist immer wieder erstaunlich zu welchen Höchstleistungen ein guter Regisseur seine Darsteller bringen
kann. Denn Woo ist es, der am Ende dem Film seine Klasse gibt. Eine extrem brilliante Optik, Ultrazeitlupen in den schnellsten Szenen,
jeder Augenaufschlag, jede Bewegung des Mantelsaums im Wind wird zur fulminanten Hintergrundmusik rhythmisch synchronisiert.
Ganz so als hätte Woo noch einmal beweisen wollen, was er kann, als er in Hollywood seine zweite Karriere begann. Am Ende stellt man fest, dass man die merkwürdige Grundidee des Gesichtertauschs einfach so geschluckt hat. So albern sie
erscheinen mag, so sehr ist sie für den Unterhaltungswert und die Spannung dieses Films von erstaunlich wenig belang. In den ruhigeren Momenten des Films wird es sogar zu einem netten Psychospiel, um sich nicht zu versteigen, es eine Sozialstudie
zu nennen, wenn der Terrorist mit dem Gesicht des Polizisten plötzlich auch die soziale und familiäre Rolle des Saubermanns
übernehmen soll - und das instinktiv auch tut. Ebenso erkennt der Polizist, wie wenig Auswahl der Terrorist für seine Entscheidungen
hat, umgeben von sich gegenseitig aufstachelnden Gewaltverbrechern und anderen Verantwortungen - für Bruder und Kind. Das
ist keine Entschuldigung, aber erklärt manches. All das ist gewitzt und unterhaltsam, teils sehr humorvoll erzählt und lässt den Zuseher einen Moment lang spüren, dass nicht
alles so schwarz und weiß ist, wie der Gesichtertausch so enorm plakativ suggeriert. Doch bevor derartig tiefergehende und bedeutungsschwangere Anflüge zu sehr einsinken können, gibt Woo dann wieder Vollgas
und treibt sein Spektakel auf den unvermeidlichen Höhepunkt zu, der natürlich so endet, wie er in Hollywood immer endet -
aber auf welchen Umwegen, das ist die große Kunst. Prädikat: besonders sehenswert!
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