Kanon des modernen Films
Stirb langsam
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Anmerkungen
Stirb langsam
'Das sind die 90er, Mann. Da kannst Du nicht einfach einen Typen umhauen. Du musst dazu immer einen coolen Spruch ablassen.' Das sagt Bruce Willis einmal in einem späteren Film. Damit wäre das Erfolgsrezept von Stirb Langsam (Die Hard) auch ganz locker in einem Satz zusammengefasst und dabei ganz unbescheiden klargestellt: Die Hard läutet action-technisch die 90er ein, kein Zweifel. Die Action-Komödien der 80er a'la Beverly Hills Cop, wo ein Mord den nächsten Lacher ablöst sind passee. Albernheiten weichen wieder realistischeren Formen. In der vor-Terminator-2- und mithin der vor-Digitalepoche justiert Die Hard das Action-Kino neu.
Die Hard hatte alles worauf es ankam: einen permanent am Abgrund hangelnden und dabei noch unwiderstehlich coolen und witzigen Hauptdarsteller ('Wer sind Sie?' 'Ich bin der Tritt in Deinen Arsch'), viel Technik und damals ultra-hippen Computer-Kram, jede Menge Schnellfeuerwaffen und Großkalibriges, eine relativ innovative Handlung, in der gut durchorganisierte und völlig rücksichtslose Terroristen (das war in den 80ern noch recht apart) ein Hochhaus kapern und natürlich daraus resultierend ein testosterondurchweichtes einsamer-Held-gegen-alle-Bösen-Szenario provozieren - und am Ende eine Explosion samt Stunt, die bis heute ihresgleichen suchen.
Nein, subtil ist Die Hard nicht, aber clever genug um nicht dämlich zu sein. Was man von allen Nachahmern und Genrekollegen nicht immer sagen kann: Speed (Die Hard im Bus) war genauso langweilig, wie Condition Red (Die Hard auf dem Schiff). Und im Vergleich zu der traditionell gegen Terroristen agierenden James Bond Nummernrevue präsentierte Die Hard blutige Realität, frischen Witz und einen erfrischenden Mangel an storytechnischem Größenwahn - John Mcclane muss nicht gleich die Welt retten, um Aufmerksamkeit zu bekommen.
Die Hard ist ein Klassiker. Aber das ist tatsächlich auch ein Problem: denn wie jeder Klassiker erscheint einem 20 Jahre danach (nach der Uraufführung natürlich) manches lässige Versatzstück als Klischee, tausendmal geseh'n, tausendmal kopiert, mithin quasi langweilig, obwohl, ja obwohl! in Wahrheit ja das Original damals nur derart gut war, dass in der Folgezeit beliebige Elemente beliebig oft nachgeahmt, variiert und weiterentwickelt wurden.
Ein Schicksal, das aber wohl jedem bedeutenden Filmwerk von Citizen Cane über Psycho bis Alien widerfahren ist: Der Spätgeborene (oder mindestens Spät-zusehende) fragt verwundert nach der großen Klasse des Klassikers, er erleidet das Syndrom, Original und die vielen Nachbauten kaum unterscheiden zu können. Tatsächlich muss man sich immer wieder bewusst machen, dass vieles zwischenzeitlich zwar x-Mal zu sehen war, aber mit diesem Klassiker seinerzeit erst erfunden wurde.
Und selbst Erzählstile die gänzlich einzigartig und unnachahmlich wirken - natürlich denkt der Autor hier sofort an Pulp Fiction - starten geradezu Wettbewerbe um den nächsten revolutionären Geniestreich. Und gebären dabei dann nicht minder unterhaltsame fiese Pulp Stories, wie Bound von den (Prä-)Matrix Wachowskis, Erzählkopfstände wie Memento vom (Prä-)Batman-Begins Chris Nolan oder wahnsinnige Schizo-Stories wie Fight Club von Genius Fincher. Und sie alle schieben die Grenze des Vorstellbaren dann wieder ein Stück weiter hinaus in die recht unendliche Vorstellungswelt menschlicher Kunstfertigkeiten - und lassen damit den Urheber der ganzen Entwicklung älter aussehen, als es ihm in Wahrheit zukommt.
Selbst Bruce Willis hat seinen Look (and Feel) aus Die Hard: allein gegen alle, blutverklebtes Feinripp-Unterhemd, coole Sprüche bis zum Abwinken, in bislang 3 Die Hard Sequels und einer Semi-Parodie (Das fünfte Element) also insgesamt fünfmal zum Besten gegeben. Das ist genauso oft wie Stallone den Rocky und öfter als der Weiße Hai und damit Rekord - zumindest unter den halbwegs ernstzunehmenden Filmen. Keiner leidet und spottet so schön wie Bruce. Das hat wohl auch Regisseur John McTiernan erkannt und hat Willis direkt aus dem unbedeutenden öden und perspektivenarmen Soap-Serien-Dasein (als Schnüffler mit einem Model) ohne Zwischenstation in den Zenit des Action-Helden-Himmels katapultiert.
Denn machen wir uns nichts vor. Bei aller Klasse von Drehbuch, Kamera und wie sie alle heißen, ist Die Hard in erster Linie die Bruce-Willis-One-Man-Show. Ohne ihn ist kein Teil der Reihe vorstellbar. Er kombiniert den glaubwürdigen Heldenmacho mit Coolness und seinem ausgeprägten Talent, lässige Sprüche punktgenau und ungeknödelt zu platzieren. Und dass Regisseur John McTiernans Hauptfigur John Mcclane heißt ist übrigens bestimmt nur ein Zufall.





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