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Anmerkungen
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100 war einmal in unserer Kindheit der Inbegriff von viel, 200 ist schon ziemlich schnell, aber 300 ist der Wahnsinn in Tüten
- und die Intuition täuscht uns nicht. 300 ist ein wüstes Spektakel, in Bildern inszeniert, auf halbem Weg zwischen Comic
und Realfilm. Doch entgegen der durch Tarrantino-Spezl Rodriges auf seltsame Weise misslungenen Verfilmung von Frank Millers
Sin City zu Gebote stehenden Befürchtungen: 300 ist nicht oberflächlich, nicht zu sehr auf Show-Effekte fokusiert, sondern
hervorragend, nicht zu sagen genial. Allein die Action bleibt oft statisch, wie eben die zugrundeliegenden Comic-Bilder. Daher passt diese Statik aber zum Stil
der Bilder und ist nur ein minor Flaw inmitten eines großen Kunstwerkes, eines aufgrund Optik, Sound und Ausstrahlung geradezu
einzigartigen Films. Wenn auch diese Kunst testosteronlastiger ist, als der Zeitgeist es erlaubt, viel reaktionärer argumentiert,
als politisch korrekt wäre, und damit nur durchkommt, weil es ein historischer Stoff von annodazumal ist, was in dieser Hinsicht
vieles entschuldigt. Und noch etwas enttäuscht: Man erwartet ansich keine große Botschaft von einer Comic-Verfilmung, wird
zunächst auch über weite Strecken nicht mit solcher belästigt. Bis sich dann eines anschleicht, etwas sehr zentrales, etwas,
das auch Herrn Achmadinechad wohl aufgefallen sein muss, sonst hätte er diesem Film (letztlich nur ein Film!) vielleicht nicht
ganz so viel Hass geschenkt: Eines vermag dieser Film nämlich zu vermitteln, was für das Selbstbild Westeuropas und durchaus auch der Ausstülpungen dieser
hier gewachsenen Zivilisation nach Nordamerika und Australien von größter Bedeutung und maßgebend für das Selbstverständnis
auch in heutiger Zeit sein sollte: Europa ist geographisch nicht mehr als ein unbedeutender Wurmfortsatz des riesigen Kontinents
Asien. Europa als eigenen Kontinent zu zählen, mag geolgisch sinnvoll sein, geographisch ist es das offensichtlich nicht.
Dass Europa sich trotzdem eine kulturelle Sonderstellung, sogar einen sehr fortgeschrittenen auf Freiheit und individuellem
Glück, Verstand und Miteinander gründenden kulturellen Konsens gegenüber der Übermacht der Asiatischen Völkern leisten und
sich erhalten konnte, ist nicht seiner Lage geschuldet, diese spräche deutlich gegen eine solche isolierte und elaborierte
Lösung. Nein, geschuldet ist diese geistige Übermacht Europas der Wehrhaftigkeit der europäischen Völker sowie ihrer starken
und früh entwickelten Ideale von Freiheit und Eigenständigkeit. Hätten die frühen Europäer nicht alle Bestrebungen, allen Eroberungsversuchen aus dem rein quantitativ überweltigend so überlegenen
Asien widerstanden, dieser Eingliederung zurück in den asiatischen Mainstream in Punkto Weltanschauung und rückständigen Herrschaftsstrukturen
(vielleicht mit der einen Ausnahme der Revolution der Christlichen Religion die den Stillstand des Mittelalters bewirkte und
Europa 1000 Jahre kostete), wäre ganz Europa heute nicht viel mehr als eine Provinz irgend eines zentralasiatischen Weltreiches. Dies ist die durchaus ernsthafte Botschaft von 300. Ein Aufruf nicht zu vergessen, wie schmerzlich jene kulturelle Eigenständigkeit
dereinst erstritten wurde, welcher auf Mittelmäßigkeit und Sklaverei basierender zahlenmäßigen Übermacht man sich gegenüber
sah und wie glorreich jene Verteidigung der eigenen Idendität trotzdem gelang. Und daran ändert es nichts ob die Spartaner
nun 300 gegen 1 Million oder historisch korrekter vielleicht 5.000 gegen 150.000 standen. Letztlich entschied sich an den Thermopylen nicht weniger als, ob man forthin eine eigene Philosophie die auf der Vernunft
gründet, ein Staatssystem, das auf der Mitwirkung aller basiert, ein Gegengewicht zur Religion, das sich früher oder später
auswirken sollte in Descartes, Luther, Kant und Darwin, der Französischen Revolution, den Menschenrechten kultivieren würde,
oder eben nicht. Diese Eigenständigkeit gegenüber dem götzendienerischen und alsbald 1000 Jahre später dann islamisch revolutionierten und
im Würgegriff des Profeten erstickten Vorderasien, wurde ursächlich erst ermöglicht durch den Widerstand der Spartaner gegen
die Übermacht Xerxes'. Alexanders Feldzug sollte zwei Jahrhunderte später klarmachen, das Europa eigenständig bleiben würde
und erhielt mit Alexanders Alexandria seine Bibliothek und seine erste gesamteuropäische Hauptstadt samt Universität. 300 illustriert den Urgrund dieses Geschichtslaufes eigenwillig aber eindringlich. Trotz der Comic-Vorlage bleibt der Stoff
zutiefst ernsthaft, trotz der historischen Schräglage durch allerhand pathologischer Gestalten, deren Entstehung wohl nur
das offenbar lediglich leidlich gesunde Hirn von Frank Miller erläutern kann, bleibt 300 ernstzunehmen, selbst in seiner historischen
Dimension. Auch wenn Pathos des Films in der hier dargebotenen Monströsität absolut nicht zeitgemäß erscheint, wird seine sonst so allzu
leicht belächelbare Wirkung durch die Comic-optik gemildert und erträglich, wirkt im Gegenteil sogar der Tragweite der Ereignisse
allein angemessen und drittens aufgrund seines Verstoßes gegen den Zeitgeist beinahe als Kunstform, damit gar eigenständig.
So eigenständig wie die Geschichte derer, die erzählt wird und damit in letzter Konsequenz zeitlos. 300 vermittelt etwas von
der Unsterblichkeit, die Sparta und ihr König Leonidas sich durch ihre heldenhaften Taten seinerzeit erstritten und derer
wir auch heute noch immer gedenken sollten.
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