John Williams ist kein Leisetreter. Kein Wunder: hat er doch offensichtlich, oder muss man sagen, offenhörbar, ein Vorbild,
dessen Musik auch nicht gerade für die leisen Töne bekannt ist: Richard Wagner. Wie groß der Einfluß von Wagner auf die moderne
Filmmusik ist, wird bei John Williams besonders deutlich. Und in Indiana Jones übernimmt Williams' zum mitsummen anregender
hymnenhafter Soundtrack ebenso die zweite Hauptrolle, wie schon in Star Wars und später, etwas weniger launig freilich in
Schindlers Liste. Anders als Vangelis in Blade Runner begnügt sich Williams nicht damit, Hintergrundgeräusche und Klangteppiche auszulegen,
sondern spielt sich in den Vordergrund wie höchstens dereinst der Pianist im Stummfilmkino. Williams peitscht Indy geradezu
vor sich her zu neuen Abenteuern, reißt den Zuschauer mit, tolldreiste Wagnisse ebenso wie die sehr forschen Lösungen schier
unlösbare vertrackter Situationen zu feiern, wie sie fallen. Williams ist der Emotions-Meister an der Seite von Steven Spielberg
und George Lucas. Er haucht den Filmen Leben ein. Was soll's. Steven Spielberg ist der gekrönte Meister des Kommerzes, eines Kommerzes, den ihm keiner Übel nimmt. Das ist die
größte Kunst dabei. Der Schachzug, mit Sean Connery dem sturmerprobten Harrison Ford ein Schlachtschiff von einem Charismatiker
zur Seite zu stellen und die Rollen der beiden so auszuballancieren, dass sich die beiden Großtiere nicht gegenseitig die
Show stehlen, das sind Leistungen, die die Übersicht eines langjährigen Könners an der Schwelle zum Genie benötigen. Spielberg
machte vor allem immer eines: Spaß. Obwohl der Mann eine dunkle Seite besitzt. Begonnen hat er mit Duell, einem Kammerspiel von einem kafkaesken Schocker. Der
Weiße Hai in Abwechslung mit Heile-Welt Phantasien a'la Die unheimliche Begegnung der dritten Art prägten seine kommenden
Jahre. Erst mit Schindlers Liste und Der Soldat James Ryan findet er eine neue Gangart: Harte Realität. Krieg und Vernichtung.
Der Mann ist Jude, wer will es ihm verdenken. Und erst Jahre später, nachdem er Stanley Kubricks AI fertig stellen durfte,
findet er dazu, seine beiden Neigungen, seine in ach seiner Brust schlagenden Herzten zu verschmelzen und dokumentiert und
phantasiert seither mit neuer, gebündelter Kraft, wie in Minority Report und Krieg der Welten. Dabei bleibt eines immer gleich: sein visueller Stil ist so einschmeichelnd und von solch hohem Wiedererkennungswert, dass
man einen Spielberg-Film schon nach wenigen Sekunden, allein an den Einstellungen und Blickwinkeln zu erkennen vermag. Nahaufnahme
auf Alltagsgegenstände, liebevolle Kamerafahrten über persönliche, ja intime, mitunter peinliche Gegenstände seiner Protagonisten.
Erst dann der Zoom in den Weitwinkel, in die Totale. Immer vom Speziellen zum Überblick. Spielberg ist der Identifikator.
Er bringt seinen Zusehern seine Figuren nahe, egal wie unrealistisch sie sind. Er ist der Meisterverkäufer von künstlicher
Menschlichkeit und Nähe, gibt seinen Figuren Leben und Tiefe indem er sie mit einem ironischen Augenzwinkern mit menschlichen
Schwächen ausstattet, Schwächen jedoch, die sie nur sympathisch machen - in seiner vor-post-Kubirck-Phase wenigstens. Warum soll man beim hektischen Umherrennen durch eine Comic-Historie wie die der Herren Spielberg und Lucas nicht auch einmal
lachen dürfen.
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