Der einzige Film, in dem der Bösewicht - und was ist das für ein Bösewicht, mit Plagen und Ungezifer! in dem der Bösewicht
sympathischer und charismatischer auftritt, als der designierte Held; und man sich bei der Hoffnung ertappt, der Bösewicht
möge obsiegen - ob seiner gar nicht so bösen Motive willen. Denn zur Abwechslung sucht hier einer nicht die Weltherrschaft,
oder Unmengen von Geld, sondern nur die Liebe seines Lebens - mehr tragisch als anmaßend. Und genaugenommen ist die Mumie
Imhotep der einzige wirklich intelligente und ernsthafte Charakter des Films. Er verfolgt seine Ziele mit Beharrlichkeit und
erreicht sie auch - fast, natürlich. Und damit ist er am Ende eine beinahe tragische Figur, trotz allen Schabernacks, den
er begeht. Die Mumie heißt nicht zufällig die Mumie - natürlich neben dem Offensichtlichen. Denn dieser Film ist nicht etwa nach dem
Helden benannt - wie hieß er noch gleich? Nein. Die Hauptperson, wenn auch anfangs leicht vertrocknet, ist Imhotep, Hohepriester
und zwischenzeitlich Mumie. Anders als bei Zieh-Vater Indiana Jones spielt der Held hier auf befremdliche Weise die Nebenrolle.
Brendan Fraser, der in anderen Filmen ja durchaus wandlungsfähig und tragend spielen kann, man erinnere sich an das Christopher-Walken-schräge
Komödie 'Eve und der letzte Gentleman', markiert hier ein derartiges Abziehbild von einem Helden, dass man sich seiner Performance
schlicht keine Sekunde nach Ende des Films erinnern wird. So bleibt es an Arnold Vosloo, der Imhotep in dem kurzen Abschnitt
in dem die Mumie in menschlicher Form unter uns weilt, diese Figur so charismatisch zu verkörpern und damit die tragende,
die verweilende, die beeindruckende Rolle des Films zu übernehmen. Und dabei nebenbei bemerkt so geradezu rollenschädigend
sympathisch zu agieren, dass der Bösewicht ob seiner verständlichen Ziele zur Identifikationsfigur mutiert. Ein bisschen hofft
man beinahe, er möge seine Prinzessin bekommen. Alle anderen Figuren bleiben irgendwie Comic-Flics, unterhaltsam, aber flach,Imhotep
aber hat Charakter. Der altägyptische Priester ist der Dreh- und Angelpunkt des Films. Er ist mehr Opfer denn Bösewicht, mehr Held seiner Liebe,
als Monstrum, seine Liebe zu Ank-Sun-Amun so verständlich, wenn auch seine Mittel monströs. Wo so viele wonnevolle B-Film
Klischees aufgehäuft werden ist es die wohltuende Abwechslung einen derart gelungenen Bösewicht vorzufinden statt den üblichen
blaß-bösen schwarz-gekleideten Abziehbildern. Denn ansonsten kommt Die Mumie beinahe altmodisch daher, wie eine Homage an diverse Jung-Timer aus den 80er Jahren - ganz
ähnlich, wie Indiana Jones in den 70ern alte Erzählweisen aus den 30er-Jahre Filmserials wieder aufgegriffen und zu neuer
Blüte gebracht hat, versucht Die Mumie die Wiederauferstehung des Abenteuer und sanften Horror-Genres im Stile der 80er Jahre.
Ein bisschen Tanz der Teufel hier, eine Spur Jäger des Verlorenen Schatzes, eine Brise Bond - aber dann jede Menge Animationen
der nach-Terminator-2-Ära. Der gesamte Erzählstil ist anfangs seltsam altmodisch und orientiert sich mehr am Horror der 80er Jahre in dem aus heutiger
(und damaliger) Sicht immer erst einmal sehr lang gar nichts passiert, bevor im Showdown dann die Special-Effects kurz und
schmerzhaft abgebrannt werden, bevor der Film dann vorschnell endet. Sehr hecklastig diese Erzählweise, aber Budget-sparend.
Aber, man darf es verraten, diesen Fehler begeht man in der Mumie ganz und gar nicht. Abrupt setzt das Gruselspiel etwa zur
Mitte des Films um, was Technik und Phantasie der Autorn hergibt und bedient die Schaulust aufs vortrefflichste. Und das Ganze
im witzelnden Stil der 80er, nach der Devise gestrickt: jeder Dialog in Gag, jede Szene eine Pointe. Platt aber wirkungsvoll. Nach Pulp Fiction mochte man sich das gar nicht mehr vorstellen, unvorstellbar, derartiges noch umzusetzen, ohne belächelt
zu werden. Doch die Mumie tut genau das. Sie beginnt in diesem bedeutungslosen überkommenen Stil: ein länglicher Start, streng
linear, Andeutungen, unheimliche und unbedeutende Todesfälle von Nebenpersonen. Eine Hommage? Eine Parodie? Und genau dann,
wenn man sich auf ein spärliches Auftreten der Grusel-Charakteräre einstellen will bricht Imhotep brachial hervor und entfesselt
ein Feuerwerk, das über die gesamte zweite Hälfte des Films anhält. Vieles in diesem Film ist grotesk, manches blanke Provokation.
Zuletzt aber Unterhaltung eben, und diese wirklich unterhaltsam, was man in diesem sonst vor Flachheit und Einfallslosigkeit
strotzenden Genre nicht oft sagen kann. Vergessen bleibt beinahe, dass es sich quasi um ein Remake eines Boris-Karloff-Schinkens von 1932 handelt. Doch hier ist so
viel anders, dass man offenbar kaum mehr als das grobe Plot übernommen hat: Die Mumie und die weiße Frau. Wahrlich ist 67
Jahre nach Karloff alles anders: prächtige knallig-bonbon-bunte Bilder, spektakuläre digitale Effekte, eine Handlung voller
Ideen und Wendungen. Ein Film der Neuzeit, der sich von Zitaten nährt und alles zwischenzeitlich Dagewesene persifliert oder
ehrt, aber nicht verleugnen kann. Diese Mumie hat nichts mehr vom staubigen eingewickelten Zombie, der durch ein Musem wankt
und Menschen meuchelt. Diese Mumie ist ein Magier, voller plastischer Fähigkeiten, voller Zerstörungskraft und Ausstrahlung. Ganz interessant bleibt am Ende, dass der Totenkult der Ägypter offenbar nicht so ganz unnütz war. Denn Imhotep kann aufgrund
der Vorarbeit seiner Landsleute auf eine ganze Armee von Mumien-Kriegern und anderem loyalen Getier zurückgreifen, die, sich
aus den Gräbern erhebend, sicherlich aus Gründen der zwischenzeitlich artgerechten Verwahrung, zwar nicht wirklich schlagkräftig
aber doch in besserem Zustand daherkommen, als eventuelle nicht-balsamierten Altersgenossen. Tot hin tot her, hilfreich sind
sie bei seinen Bemühungen allemal. Keine Filmkunst, aber sehr gelungener Kintop. Recykliert in einem Sequel, das phantasievollerweise Die Mumie 2 heißt und einem
Spin-Off, dem Scorpion-King, der diese beiden an Fun-Faktor beinahe noch zu übertreffen vermag.
|