Kanon des modernen Films
K-Pax
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Anmerkungen
K-Pax
Die Unwägbarkeit der Lüge. Ist K-Pax (Kevin Spacey) ein Außerirdischer, der die Erde nur aus Interesse besucht? Wenn ja, warum sieht er dann aus wie ein Mensch? Ein Kabinettstück und ein wunderbares Duell zwischen Psychiater Jeff Bridges und dem 'Alien' K-Pax. Zwei radikale Charaktermimen in einem cleveren Stück, das mit Unwägbarkeit und Mysterium spielerisch umgeht, den Zuseher unterhält, ohne ihn zu überlasten oder zu verunsichern, aber auch zum Denken anregt, genau richtig dosiert.
Nicht zu flach, was bei diesem heiklen Thema allzu leicht passieren kann, nicht zu kompliziert oder Detailveressen kommt K-Pax daher. Schön ist zu beobachten, wie der Psychiater langsam offen wird für die Brillianz der Lügengeschichte, die ihm da präsentiert wird - oder ist es doch einfach die banale Wahrheit? Ist K-Pax kein Scharlatan, oder ein wahrhaftiger Schitzophrener mit genialischen Zügen? Es wäre schade, wenn diese Fragen geklärt würden. Auch als K-Pax am Ende abgereist ist und der Mann der Zurückbleibt, auf befremdliche Weise anders ist, kann es sich noch immer bloß um eine merkwürdige Spielart einer Geisteskrankheit handeln - oder auch nicht.
Aus irgend einem Grund macht diese Offenheit des Zweifels Freude, amüsiert, bringt einen zum Lächeln. Lächeln ist besser ist als das Lachen, wie der Zeichner von Hägar dem Schrecklichen sagt, weil dem Lächeln immer ein Gedanke vorausgeht.
Auf angenehme Weise nachdenklich macht einen K-Pax, weil es ein bisschen vorführt, dass die Welt doch noch nicht vollkommen erklärbar ist, noch romantische Mythen und Geheimnisse enthält oder wenigstens enthalten kann jenseits der Entlarvung durch rationaler Erklärung. Diese Romantik wärmt die Seele, wenn sie auch den Verstand provoziert.
Und noch eine Frage bleibt: Ist es am Ende wirklich wichtig wer K-Pax ist oder war? Oder ist nicht sein Wirken, sein positiver Einfluss auf seine Umwelt sein Vermächtnis und von viel mehr Bedeutung als seine 'wahre' Idendität. Was wissen wir über ihn, wenn wir seine 'wahre' Idendität kennen, was wir nicht schon wissen? Wenn er sich für einen Außerirdischen gehalten und aus dieser Perspektive Gutes getan hat, was hält uns davon ab ihm zuzugestehen, dass er genau der auch war?
Ein Film der seinen Zwilling in Don Juan de Marco erblickt. Ein Plädoyer für die Freiheit, nicht die Welt der Mehrheit annehmen zu müssen, sondern in einer eigenen leben zu dürfen, auch wenn sich diese Welt oder wenigstens diese Interpretation der Wahrheit von der Anderer unterscheidet. Wer muss in K-Pax unbedingt einen Menschen sehen? Sind das nicht die, die Halt suchen, die die Vorstellung er könnte anders sein so sehr ängstigt, dass er kein anderer sein darf, als was er sein muss? Über diese Schiene kommt eine weitere Ebene in diese Geschichte hinein, die uns von Mut und Toleranz gegenüber Abweichlern berichtet, die gegen Gleichschaltung und für Freiheit argumentiert, die aufzeigt, dass nicht der Andersartige eine Bedrohung sondern auch eine Bereicherung sein kann - allerdings kann!, nicht muss. Religiöse oder Weltanschauliche Dogmen sollten außenvor bleiben. Auch das sagt der Film: nichts sollte ein 'Muss' sein, aber vieles ein 'Kann'.
Einer jener Filme, die einem einfach angenehm im Gedächtnis bleiben.



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