Tarrantino sagte kürzlich, er drehe maximal alle 2 bis 3 Jahre einen Film, weil er (O-Ton) 'genug Zeit haben will zum Rumvögeln'.
Gut, was will man dazu sagen. Obwohl es im Grunde schade ist, denn dieser Mann ist schlicht ein visuelles scheiß Genie. Und
dabei hat man inzwischen auch nicht mehr den Eindruck, dass er noch mit irgend einem seiner Fetische hinterm Berg hält. Death
Proof ist ehrlich, klar und herzhaft, keine Kompromisse. Ideal besetzt im Übrigen Kurt Russel ebenso wie den ganzen Chicks. Style is all - content is nothing. Man kann ihn aber auch anders lesen: Death Proof ist ein Film über Frauen und Männer, nach
dem Motto: Frauen sind anders, und Männer erst. Und muss man das extra sagen: Tarrantino ist weder an Frauenverstehertum gelegen,
auch wenn er die Mädels und ihr 'Chick Habit' mit enormem Genuss verfolgt, und offenbar noch weniger an eitler männlicher
Selbstreflektion - das langweilt ihn offenbar völlig. Nein, Death Proof hält sich an die elementaren Dinge (und irgendwie
hört man dabei im inneren Ohr ständig Tylor Durden rufen: Selbstzerstörung ist Freiheit!) Gelegen ist Tarrantino offenbar
an Destruktion und Fun und Destruktion und Fun und das alles betreibt er anhand von sehr humorvollen, so weit ins Extrem gezogenen
Klischees, dass Karrikaturen, Comicfiguren - aber mit Herz und Leben - übrig bleiben: die zickigen Mädels mit ihrer ausufernden
Erotik, tumbe Dorftrottel und natürlich Stuntman Mike mit seiner überbordenden Gewaltbereitschaft und Bedrohlichkeit, der
ideale Neandertal-Macho, der ständig (und vermutlich vergeblich) versucht mit Kraft, Gewalt und angsteinflößendem Gehabe Eindruck
zu machen. Eindruck auf längst emanzipierte und selbständige extrem starke Frauen - und damit am Ende dann enorm auf die Schn...
Nase fällt. Ganz ähnlich wie Samuel L. Jackson in Jackie Brown im Übrigen auch. Quentin Tarrantino scheint hier eine vergleichbare
Freude an starken Frauen zu pflegen, wie James Cameron. Die idealen Helden, pardon -innen eben. Insofern ist Death Proof tatsächlich ein, freilich ins groteske Extrem getriebener, aber höchst humorvoller Kommentar zum
Verhältnis der Geschlechter in Zeiten der Postmoderne. Männer, die nach altem Schema Aufmerksamkeit erregen wollen und die
etwas ungeplante Reaktion der modernen Frau. Und Tarrantino steht dabei und lacht sich scheckig. Tarrantino inzeniert das ganze in dem ihm eigenen Stil: herb, extrem und metaphorisch und dabei natürlich in keiner Sekunde
ernsthaft oder philosophisch. Er macht daraus eine furiose Farce, ein wilder und ungeheuer unterhaltsam sinnloser Trip irgendwo
zwischen der liebevollen Beobachterrolle aus Jackie Brown, den Dialogen und der Absurditat von Pulp Fiction, den krassen Special-Frags
aus Sin City und natürlich der weiter optimierten grandiosen 70er-Trash-Optik von Kill Bill. Zitiert Tarrantino also bereits nur noch sich selbst? Ja und nein - aber furios. Er beweist, wer der Herr im Hause Pulp und
Edel-Trash ist, wer den Karren vorantreibt, wo die Innovation herkommt, wer vorausgeht und wer nur nachfolgt. Er treibt den
Status Quo wieder ein Stück weiter hinaus, setzt neue Maßstäbe wie wenig Handlung wert sein kann und wie viel Atmosphäre,
Dialog, Zitat - am Ende: Stil. Er inszeniert mit der Eleganz, die kein Altmeister hat, nämlich ohne altkluge Provokation,
sondern nur mit Provokation, ohne großväterlicher Distanz, sondern mitten im Saft, alt und genial sind einige, aber jung und
genial, das ist selten. Mit einem Wort: Death Proof ist ein echter Tarrantino - schmutzig, extrem, ungeheuer witzig, mit unglaublichem Genuss an jeder
vorstellbaren Grenze zu Kitsch, Sex, Trash und Gewalt entlanggeschrammt, und doch nie dieses künstlerische Spiel mit dem künstlerischen
Feuer verliert.
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