Filme sind wie gute Rhetorik. Man geht von einem gemeinsamen Nenner aus und nimmt den Zuseher(-hörer) mit auf einen Trip.
Der gemeinsame Nenner hier sind Kornkreise. Man muss kein UFO-Jünger sein um zu wissen, dass diese großen, in Kornfelder eingebrachten
Strukturen, die man am besten aus der Luft erkennen kann, immer wieder Außerirdischen zugeschrieben werden - obwohl es gut
und gerne und viel wahrscheinlicher ganz irdische Urheber geben dürfte. Doch damit hält sich der Film nicht auf. Er geht in
eine ganz andere und viel spannendere Richtung... Eines voraus: Auch wenn es für die Story von einiger Pointen-Bedeutung ist, so ist das einzige, das ich in diesem Film als
zu viel empfinde die eingestreuten Rückblenden, in die Nacht zurück als seine Frau bei dem Unfall stirbt und er es mitansehen
muss. Das ist einfach zu viel, das ist frustrierend und fürchterlich. Doch es zeigt auch, welches Talent dieser Herr Shyamalan
hat, seine Zuseher mit seinem suggestiv-Degen bis ins Mark zu stoßen. Er, das ist übrigens Mel Gibson, der den ehemaligen
Pfarrer mit dem ulkigen Nahmen Graham Hess verkörpert. Und man bemerke: den ehemaligen Pfarrer, er ist es nicht mehr, weil
er seit jener Nacht in der seine Frau so sinnlos ihr Leben lassen musste nicht mehr an Gott glauben will und sich weigert
noch einmal seine Zeit damit zu verschwenden zu ihm zu beten. Und hier finden wir eines der Hauptmotive unter der Oberfläche
dieses sehr eleganten und sehr außergewöhnlichen Gruselfilms: Religion im Angesicht des Untergangs. Wir lernen: Religion ist
Trost. Religion ist gefühlte Sicherheit. Im Grunde und nicht nur dort ist dieser Film ein sehr stiller Film, ein sehr leiser Film. Kaum Action, keine Hektik, keine
Überreaktionen, keine Waffen. Wo doch der Amerikaner seinen Feinden traditionell gerne mit Feuerwaffen entgegentritt, ist
das mehr als erfrischend. Oft ist keine Musik zu hören, oft nur Stille - nervenaufreibende Stille - die Kamerafahrten sind
langsam, beinahe behäbig, viele Einstellungen sind statisch, ohne je eine Sekunde langweilig zu sein. Denn sie verleiten zu
suchen, nach der Bedrohung hinter der nächsten Ecke und sie sind sehr oft mit einer intelligenten und hintergründigen Ironie
ausgestattet. Doch ansonsten ist hier viel Ruhe. Die Ruhe, in Pfarrer Hess' Innenleben vielleicht. Und diese Stille, dieses
betuliche step-by-step Erzählen, das keine einzige Stufe auslässt, keine Nuance übergeht, ganz feine Details jeder Situation
zu zeigen vermag. Von Situationen, die wir alle kennen: in denen die Panik in uns aufsteigt, sich die Nackenhaare sträuben
- und das obwohl eigentlich gar nichts passiert. Und doch wissen wir, oder fürchten wir, innerlich kurz vor Panik und Hysterie,
das da etwas sein könnte. Die Phantasie ist der Feind. Diese Stille ist unheimlich, sie ist irgendwie das Gegenteil vom Mut einflössenden Pfeifen im Wald. Da ist nur diese kleine
Familie und die unausgesprochene Bedrohung: Die Aliens kommen. Doch alles was wirklich sichtbar darauf hindeutet sind vielleicht
Hunde, die das Maisfeld ankläffen, wippende Schaukeln, die eigentlich ruhig hängen sollen, in fremdartigen Geräuschen quasselnde
Babyphones und natürlich die Kornkreise im Maisfeld. Shyamalans Kunst ist hier die Furcht vor dem Unsichtbaren. Diese Kleine Familie, der Pfarrer Hess vorsteht besteht nur noch aus seinem Bruder - gewohnt souverän - Joaquin Phoenix und
- grandios - seinen beiden Kindern, die, meint man beinahe, Vater und Onkel an die Wand spielen. Shyamalan inszeniert die
Kinder vernünftiger als die Erwachsenen. Ihre Welt ist mystisch, noch nicht so gänzlich Verstandesgeprägt wie die der Erwachsenen
und so kommen sie mit dem Zerfall der Verstandeswelt durch den Einbruch des Undenkbaren auch viel besser zurecht, als die
Erwachsenen. Sohnemann Morgan - einer aus der Culkin Kinderstar-Fabrik - ergreift, in seinem begrenzten Radius der Mittel
freilich, Maßnahmen gegen die Aliens, Töchterchen Bo - spektakulär: die gerade 5-jährige Abigail Breslin - ist ultra-authentisch
und mit einem Sweetness-Faktor ausgestattet der ihresgleichen sucht. Der Feind ist das Maisfeld. Im Maisfeld sinkt die Sichtweite unter den Sicherheitsabstand. Man ist quasi blind, wie in dichtem
Nebel. Selbst ein gestandener Held wie Mel Gibson (bisherige Heldentaten: Mad Max, Lethal Weapon, Payback, Was Frauen wollen)
wird darin unsicher, blickt über seine Schulter und gerät schließlich in wilde fluchtartige Panik - glaubwürdig. Gibson passt
sich nahtlos in diese für ihn recht ungewöhnliche Rolle ein. Er ist weder der Schönling, schon gar nicht der dem Wahnsinn
nahe, mit dem Tot flirtende Macho, den er sonst so gerne und unterhaltsam gibt. Freilich bleibt auch in der Rolle dieses Pfarrers
ein Rest seiner scheinbar angeborenen Ironie. Und es wäre auch schade, würde man ihm diesen Humor nehmen. Shyamalan hat gut
daran getan, einiges an Humor in diesem Film unterzubringen zumal ihm der Kopfstand gelingt, dass Humor und Grusel sich in
keiner Sekunde gegenseitig stören. Vielleicht liegt es daran, dass es der Humor der Verzweiflung ist, dass die so sympathischen
Momente ganz aus der Menschlichkeit fließen, aus den Schwächen, aus dem Glauben-wollen an Strohhalme und dass dieser Humor
letztlich nur die Verletzlichkeit der Menschen offenbart, ohne sie dafür zu verspotten. Denn verletzlich ist Hess ohne seinen Glauben. Er begegnet dem Unglaublichen und Gott ist weit weg von ihm, weil er ihn fortsperrt.
Er ist das nicht gewöhnt. Woher soll er seinen Mut nehmen, wenn nicht von Gott, der ihm beisteht? Am Ende noch ein kleiner Kritikpunkt: warum müssen, wie auch beim ansonsten großartigen Krieg der Welten am Ende die Aliens,
die eigentlich schon gewonnen haben, auf mysteriöse Weise zurückziehen? Sind die Menschen schlechte Verlierer?
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