Alien 2 heißt Aliens. Plural, Mehrzahl, will uns sagen: diesmal kommen mehrere, nicht nur ein einzelnes, kleines, verschrecktes
Alien - mehrere. Man informiere sich über Alien, sollte dies unbekannt sein, um die Bedeutung dieses simpel erscheinenden
Umstandes zu erkennen. Denn war das eine Alien in Ridley Scotts Vorgänger von 1979 mal eben ohne viel Aufhebens für den grausamen
Tot von 7 Besatzungsmitgliedern der Nostromo verantwortlich (und es sah zu keinem Zeitpunkt so aus, als hätten die jeweils
restlichen Überlebenden auch nur den Funken einer Überlebenschance), so haben wir es in Aliens nicht mit vielleicht ein paar
dieser Wesen zu tun. Sondern mit Horden. Aliens ist anders als Alien. Aliens ist ebenso radikal wie Alien, ebenso nervenzerrend, doch schweißtreibender, atemloser,
weniger psychologisierend, dafür explosiver und verwegener. Cameron filmt weniger tiefsinnig als Scott, seine Aussage ist
weniger politisch, weniger philosophisch, kaum noch gesellschaftskritisch. Der Horror bleibt, wird aber versetzt mit rasender
Panik, mit zerfetzender Action, mit großkalibriger Gegenwehr, und noch weniger Hoffnung. Krieg, Krieg gegen übermächtige Monster.
Das ist Aliens. Cameron liefert Achterbahn, in einer Härte, von einer Erbarmungslosigkeit, dass man nicht weiß, soll man zuerst applaudieren,
oder gleich schreiend davonlaufen. Aliens ist in einer Reihe zu sehen zwischen Terminator und Terminator 2. Die Stimmung,
diese atemlose stahlharte Umklammerung in der der Zuseher für über 2 Stunden gefangen gehalten wird, der Bann, dem man ausgesetzt
ist, dass man nicht einmal mehr merkt, dass man sämtliche Lebensfunktionen beinahe einstellt, Schweißausbrüche nicht mehr
wahrnimmt, diese Stimmung hat Cameron in seinen genau drei besten Filmen ungebrochen exerziert: T1, Aliens, T2. Camerns Action-Thriller sind Opern aus Stahl und Gewalt. Dunkel und nüchtern, logisch, konsequent und schlüssig. Cameron schreibt
seine Drehbücher immer selbst. Fremdes Material filmt er nicht. Und das Ergebnis gibt ihm mehr als recht. Wo die Genre-Konkurrenz
ein ums andere Mal enttäuscht, weil das Plot allzu löchrig, nicht zuende gedacht oder einfallslos ist, führt Cameron den Zuseher
in Welten, die durch ihre Fehlerlosigkeit und Klugheit bestechen. Und so zeigt er dem Zuseher mehr über die Natur des Alien, als dieser zu erfahren hoffte. Er führt den Zuseher tief in den
Kaninchenbau und offenbart ihm dort sein ultimatives Schreckgespenst. Aliens ist größer schneller weiter - und es gelingt
auf der ganzen Linie.
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