Kanon des modernen Films
Star Wars III-VI
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Anmerkungen
Star Wars III-VI
Gut, wer das nicht kennt ist einfach selber schuld. Stärker konvergiert die zeitgenössische Popkultur nirgendwo. Nirgends ist Eindeutigkeit und Identifizierbarkeit derart ausgeprägt. George Lucas hat Figuren für die Ewigkeit geschaffen, wenn die Story währenddessen auch auf dem Niveau eines herkömmlichen Märchens bleibt. Die Staffage, der Stil, die Ideen sind einmalig und nur mit einem einzigen anderen Großwerk vergleichbar.
StarWars ist kein Science Fiction. Das muss klar sein. StarWars ist Fantasy. Wer StarWars für Science Fiction hält, hat nicht genau genug hingeschaut. Science Fiction hat etwas mit Wissenschaft (Science) und Fiktion (Fiction) zu tun. Also mit in die Zukunft extrapolierter Wissenschaft und Technik. StarWars ist nicht in dieser Tradition von 2001 oder etwa Star Trek. In StarWars gibt es Magie und Geister. Hier regiert die Phantasie und zwar ungehemmt nicht etwa durch unsere momentane Kenntnis von der Welt eingeschränkt.
StarWars hat eingeschlagen wie eine Bombe. Mitten in einer Zeit in der Filme gerade dem singenden schönfärber-Kino der 60er entwachsen waren und mit der geistig-gesellschaftlichen Revolution der 70er ultra-realistische und gesellschafts- und menschzentrierte Studien drehte, wo Vietnam und die sexuelle Befreiung Themen waren, die Emanzipation und das Infragestellen althergebrachter Werte. Mitten in diese reichlich menschelnde Atmosphäre platzierte George Lucas StarWars - ein Märchen um Prinzessin, Bösewicht, Heldenrecken und eine aus dem Science-Fiction entliehenen und in die totale Farce übersteigerte Technitis. Das Timing eines Verrückten, ohne zweifel. Weltraum-Fliegerei inszeniert vor schwarzem Samt - mit Löchern als Sterne darin - das ultimative Weltraumabenteuer, das Phantasie und alles Vorstellbare beiweitem sprengte. Das Abenteuer, das wir schon immer sehen wollten, aber bis dahin nicht danach zu fragen gewagt hatten. Es brauchte wohl ein kleines Genie wie George Lucas eine solche Vision zu erdenken und einen echten Verrückten wie George Lucas diesen Geniesreich zu diesem ungünstigsten aller denkbaren Zeitpunkte auch noch ins Kino bringen zu wollen.
Entsprechend vage war die Angelegenheit. StarWars war offensichtlich als Einteiler geplant, für den Fall, dass es beim Publikum durchfiel, was nicht unwahrscheinlich war. Alle Anspielungen auf weitere Handlungsstränge fehlen weitestgehend (wenn man einmal von den Anspielungen Obi Wans, Lukes Vater betreffend absieht).
Doch es kam ganz anders. Geniale Designs abstruse Figuren, wie Darth Vader (der wohl erste Cyborg der Filmgeschichte) und die Sternzerstörer, der Milennium Falcon, Ideen von einer Freiheit und reduktionistischen Essenz dessen, was beeindrucken und faszinieren kann und dabei noch überfrachtet mit überflüssigem Humbug, Brimborium, das einem aber stets das Gefühl geben kann, dass sich dahinter doch noch ein ganzes Universum an Hintergründen und Technik verbergen muss. Geheimnisvoll, neu, ungesehen, spannend.
Ideen, wie sie außerhalb von StarWars in dieser Ballung und Konglomeration allein nur im Herrn der Ringe (dem Buch) zu finden sind.
Und diese Kombination wirkte, war schlicht die Erfüllung all unserer Wünsche. Fantasy und Science Fiction verheiratet und kein verschämtes Abblenden von Szenen deren Tricks einfach technisch nicht machbar waren. Nein. In StarWars wurde plötzlich alles gezeigt. Raumflüge, Laserwaffen, Roboter, Raumstationen, die dem Wahnsinn nahen auswüchse einen überbordenden Phantasie. Keine noch so abgefahrerne Weltraumschlacht schien plötzlich mehr unmöglich. Allein die grenzgeniale Anfangssequenz in der dieses eher kleine Raumschiff vom Zuschauer fort in die Tiefe der sternenklaren Leinwand hinein auf einen Planeten zufliegt und sich dann völlig unerwartet in seiner gewaltsamen Riesenhaftigkeit dieser überdimensionale Sternzerstörer von oben ins Bild schiebt und - es fühlt sich an wie minutenlang - nicht enden will, so als wäre er die Decke des Kinosaales in dem man sitzt. Es dauert wirklich nur wenige Sekunden und man ist gefangen von diesem Meisterwerk.
Gefangen allein schon der damals ungekannten und bis heute gut gemachten visuellen Effekte wegen. Die eigens hierfür geschaffene Abteilung machte es Möglich. Industrial Light an Magic, kurz ILM, wurde in der Folge die Effektschmiede Hollywoods schlechthin. Auch wenn der Disney-Konzern, schon lange im Special-Effects-Geschäft der Marke Geist wird unsichtbar, Marry Poppins fliegt in der Gegend rum etc. aktiv waren, dem hatte man nichts entgegenzusetzen, ILM platzierte sich mit einem Schlag als neuer Platzhirsch. Erst recht, als der zweite Teil eine ganz neue Dimension der StarWars Story entwickelte und das ganze in noch wesentlich überzeugendere Special Effects kleidete. Vom Weltraum-Epos zum Familiendrama, beinahe Dallas.
Trotzdem bleibt festzuhalten: Irvin Kershners Das Imperium schlägt zurück ist mit einigem Abstand der gelungenste, spannendste, spektakulärste, kurz der beste der drei ursprünglichen Teile. Empire Strikes Back ist erwachsener als der erste Teil und weniger schwülstig als der dritte. Vielleicht ist es die Übermacht des Imperiums, die stete Flucht auf der sich die Rebellen befinden, die überraschenden Wendungen, das beste Drehbuch, die diesen Teil einfach spannender machen, ihn so überirdisch wirken läßt. Vielleicht hängt es auch einfach nur damit zusammen dass von Lucas selbst, der den ersten Teil inszeniert hat und Richard Marquand, der den dritten Teil gedreht hat, Kershner der erfahrenste und beste Action-Regisseur war - immerhin mit James Bond-Erfahrung.
Es ist zwar kaum möglich die wesentlichen Attraktionen dieser Filme aus dem wirrwarr an Ideen herauszufiltern, doch würde man etwas benennen müssen, so wäre es vielleicht die Schlacht auf dem Einplaneten Hoth am Beginn des 2. Teils. Die kalte klare weiße Landschaft gibt diesem Abschnitt einen ganz besonderen Touch.
Der dritte Teil ist dagegen zu sehr beherrscht vom Vater-Sohn-Thema, diesen Teddy-Bären (eine reine Konzession an die Merchandizing-Industrie an der Lucas bis heute mehr verdient als an den leppischen paar Millionen an der Kinokasse) und vor allem gestört wird von teilweise idiotischen Dialogen und einer immer wieder durch Unschlüssigkeit auffallenden Handlung.
Bleibt die Frage, was von Episode III zu halten ist, dieser mit zwei überflüssigen Vorworten (Episode I und besonders II) ausgestatteten Vorgeschichte, die die Frage behandelt, wie aus Anakin Skywalker Darth Vader werden konnte und wie und warum und vor allem: überhaupt. Episode III hat vor allem zum Ende hin sehr gute Momente, erklärt zwischen den Zeilen viel, das der StarWars-Kenner schon immer wissen wollte. Doch im Ganzen sind Episode IV bis VI das Kernwerk, an Originalität nicht zu überbieten und werden von I-III ansich in ihrem künstlerischen Wert nur beschädigt.




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