Es gibt Grundregeln, die scheinbar immer gelten. Scheinbar, denn letztlich gelten sie natürlich nur um am Ende gebrochen zu
werden. Eine dieser Regeln ist, daß jedes Computerspiel, das zu einem Film gemacht wird schlecht ist, weil beide Medien einfach
nicht zueinander passen. Die andere Richtung, Filme, die nach Spielen gedreht werden sind erst seit kurzem in Mode, aber auch
nicht sehr aussichtsreich. Eine andere solche Regel ist, daß Endzeitfilme schlecht sind. Und diese Regel hat nun offenbar endlich ihren Meister gefunden:
Die Herrschaft des Feuers ist der erste sehenswerte Endzeitfilm. Nichts, das man gerade von einem Film erwarten würde, dessen
Story damit beginnt, dass die Menschheit von Drachen (sic) an den Rande der Ausrottung getrieben wird. Drachen! Warum sind Endzeitfilme normalerweise schlecht? Weil ihre Handlung einfältig ist, ihre Personen stereotyp und das Suget schmalspurig.
Die Situation ist hauchdünn und undurchdacht, fadenscheinig, die Hauptpersonen sind Machos, verkommen, roh, kalt, desillusioniert.
Langweilig. Die Herrschaft des Feuers kann diese Gene nicht verleugnen und doch ist der Film um genau das i-Tüpfelchen intelligenter,
um genau den Kniff glaubwürdiger, pointierter, unterhaltsamer, als alle seine Genrebrüder, das einen guten Film von einem
Flop trennt. Oft genug so nah und doch so fern. Hier ist der kalte harte Kämpfer im Herzen ein Philosoph, ein Denker, der
im unerwarteten Moment feinfühlig die richtigen Worte findet. Die Charakterzeichnung ist nicht US-Typisch, allein der Ort der Handlung in England zeigt den Grad um den sich die Handlung
vom Hollywood-Einheitsbrei unterscheidet. Darüber hinaus hat Christian Bale als Hauptdarsteller wieder einmal, nach Equilibrium
einen Film ausgewählt, der sich wohltuend vom Genrerest unterscheidet. Und überall spürt man die Erfahrung des Akte-X Regisseurs. Die prätentiöse Ruhe, die Momente des Innehaltens, die es braucht
um die Action fulminant hervorbrechen zu lassen. Timing. Der Schein trüber Lampen. Licht, das durch wabernden Nebel flutet.
Die Weisheit, die in der Erkenntnis der Vernichtungskraft der Naturgewalten liegt. Nicht selten findet man sich an Aliens
erinnert, auch die Aliens haben wie diese Drachen etwas kaltblüterisches an sich, ein raubtierhaftes sich und alles verzehrendes.
Zu behaupten, die Herrschaft des Feuers könne sich mit Aliens messen wäre vermessen, doch der Vergleich geht auch nicht ausschließlich
zugunsten von Camerons Schlachtplatte aus. Und die Drachen sind am Ende ein bißchen mehr. Nicht allein eine Studie über die Bestie Mensch und seinen Überlebenstrieb
in Extremsituationen, gegenüber der absoluten Tötungsmaschine Alien. Nein. Hier ist eine Spur mehr. Wohlverborgen unter leutseliger
Action und Post-Atomarer Atmosphäre. Die Drachen sind wie seit jeher mehr. Zuletzt eine Allegorie auf die Vernichtung, die der Menschen dem Menschen antut. Die
Drachen spucken kein Feuer sondern Napalm, das Symbol für die Hölle des Vietnam-Krieges. Sie sind mehr der Innbegriff des
Krieges selbst, sie Leben von Zerstörung, ernähren sich von der Asche - wie der Krieg selbst. Nicht die Drachen sind dieser
Feind, dessen Herrschaft verzweifelt bekämpft wird, der Krieg selbst ist der Feind, dessen Herrschaft dem Teufel gleich über
die Welt kommt und alles verzehrt, was ihm begegnet. Die Herrschaft des Feuers ist nicht allein in der Zukunft, sie ist jetzt.
Wo der Krieg herrscht, die Militärmaschinerie zum Werkzeug des Überlebens im Töten wird, dort herrscht bereits das Feuer. Ein starkes Stück Kino, das die Metapher nicht bemüht, sie aber auch nicht scheut.
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