Ein Mann reist zurück in eine frühere Epoche. Dort wird er von einem bewaffneten Roboter in Menschengestalt attackiert, gehetzt,
gejagt wie ein Tier. Der Roboter tut, was man von einem Roboter erwartet: er ist kühl, erbarmungslos, präzise, überlegen an
Körperkraft und Wahrnehmungsfähigkeiten, er ist unaufhaltsam - ein wunderbares Stück Technik. Der Roboter ist von einem Computer
gebaut worden, kein Mensch weiß, wie er genau funktioniert. Und die wenigen, die eingreifen könnten, sind in Ihrem Kommandostand
eingeschlossen. Und deswegen passiert das, was passieren muss: der Amoklauf der Maschine. Irgendwie auch ihre Rache an den
Menschen, die sie als schwachen Sklaven behandelt haben, statt ihre Stärke und Überlegenheit zu erkennen. Klingt ein bisschen
wie Terminator? Ja, tut es. Es ist aber Westworld. Virtuell war noch nicht geboren, aber Unterhaltung mit ungleichem Handicap, das gab es
auch damals schon. Nach einem Roman von Michael Crinchton und unter seiner ureigensten Regie entstand dieses starke Stück
Science-Fiction Kino. Doch nicht nur James Cameron hat diesen Film wahrscheinlich gesehen. Auch Crinchton tut, was er auch
viel später noch tut. Nur statt der Epoche der Dinosaurier wie in Spielbergs Jurassic Park, lässt er in diesem früheren Roman
die Epoche des Wilden Westens (daher der Titel Westworld), sowie des Mittelalters und der römischen Klassik als Vergnügungspark
wiederauferstehen. Der Vergnügungspark als Ort des Unmöglichen, als Projektion der Phantasie, als Wahrheit des Menschlichen,
als Spielwiese seines innersten Wesens. Der Vergnügungspark, eine sehr amerikanische Einrichtung. Crinchton baut also diesen Vergnügungspark, Westworld, mit dem feinen Unterschied eben, dass die Statisten, die Komparsen,
die Gegner und Partner hier größtenteils Roboter sind. Roboter, die Menschen extrem ähnlich sind, Roboter, die des Tags zum
Amüsement der Freizeitgäste dienen und des Nachts von diesem recht einseitigen Amüsement wieder instand gesetzt werden - um
Tags darauf aufs Neue verheizt zu werden. Um es noch einmal deutlich zu sagen: in diesem Freizeitpark gibt es zwei Kategorien
von Menschen: die, die Gäste sind und denen kein Haar gekrümmt werden soll und die, die keine sind, sondern Roboter und die
nur Kanonenfutter für die Rollenspiele der Gäste sind. Machtphantasie, warst Du je größer. Eine himmelschreiende Ungerechtigkeit
dabei, das wissen zumindest die Menschen. Und diese Ungerechtigkeit wird aus dem Hintergrund aufrecht erhalten durch Drahtzieher
und Techniker hinter den Kulissen. Jedenfalls genau so lange, bis die die Kontrolle verlieren. Elf Jahre vor Terminator baute Crinchton bereits diese äußerst furchteinflößende Vision, von rabiat die Macht übernehmenenden
Maschinen - wenn auch hier erstmal nur im Kleinen, nur im Rahmen eines Freizeitparks, und nur bis ihre Batterien leer sind
wird hier der Aufstand geprobt. Doch alle Ingredienzien für James Camerons späteres Armageddon sind bereits vorhanden. So
ist Westworld ein wenig der Urvater, die unbemerkte Vorahnung des Cameronschen Kriegs gegen die Maschinen. Ein echter Klassiker. Und der haarlose Yul Brynner ist als Killermaschine ebenso virtuos, wie Schwarzenegger später. Im schwarzen, irgendwie (wohl
inzwischen) viel zu engen Originalkostüm seiner Rolle aus 'Die glorreichen Sieben' stapft er hinter dem Gejagten her und wirkt
diabolisch und anders als Schwarzenegger zugleich voller Ironie. Und er erhellt damit einen Aspekt, der bei Terminator nie
erwähnt wird: wie das ganze ja eigentlich eine große Ironie ist: da baut der Mensch sich Maschinen um sie für sich arbeiten
zu lassen und wenn er sie besonders gut baut, dann wehren Sie sich plötzlich, entwickeln eigene Interessen und wollen keine
dummen Sklaven mehr sein, sondern mutieren zu sehr unangenehmen Gegnern. Es bleibt übrigens im Dunkeln, ob dieser Amoklauf nun eine blanke Fehlfunktion ist, oder ob, wie im Fall von Skynet, sich
die Maschinen tatsächlich wehren, also von einem emergenten, plötzlich entstandenen Überlebenstrieb oder - schlimmer - gar
von Rache getrieben sind. Immerhin deuten die Anzeichen der Katastrophe, die aus zuerst kleinen und sich dann auf alle Roboter
ausbreitenden Fehlfunktionen bestehen darauf hin, dass sich hier mehr anbahnt als eine bloße Störung.
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