Das Motiv, das James Cameron verwendet ist nicht neu. Bereits in Westworld wurde der Alptraum beschworen, dass ein Roboter,
eine seelenlose menschenähnliche und doch so ungleiche Maschine einen hilflosen Menschen durch eine Wüste verfolgt, nicht
ablässt von ihrem Ziel, ihn zu töten, die eigene Existenz aufs Spiel setzend mechanisch nur diesem einen Ziel folgt, ohne
Moral, ohne Mitleid, ohne Menschlichkeit. Der vielleicht kollektive Alptraum der Menschheit. Und genau diesem Feindbild des
Menschseins ansich folgt auch Camerons Idee des Terminator. Camerons Wüste ist die Wüste der modernen Welt. Kalt, Seelenlos, mechanisiert. Camerons Handlung spielt nicht in der Zukunft,
sondern überfällt die Menschen der Gegenwart aus der Zukunft kommend, eine Bedrohung, die aus der undurchdringlichen Finsternis
des noch nicht geschehenen dräut. Der nukleare Holocaust, niemand bezieht ihn auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges rigoroser
und realistischer in seine Filme mit ein. Und Camerons hilfloses Opfer ist hilfloser als alle Opfer zuvor: es ist eine Frau,
eine junge Frau, hübsch, hoffnungsvoll, sich auf ein geregeltes Leben vorbereitend. Und in diese rosarote Welt aus Popmusik,
Dates und blonden Haaren bricht unvermittelt das ultimative Grauen. Die Ursache: nicht etwas, das sie getan hat, sondern etwas,
das sie erst noch tun wird. Und dieser Feind, der ihre Welt zerreißt, wie einen dünnen Vorhang ist eine Maschine, präzise, gnadenlos, unbesiegbar. Wie
in Westworld wird aus Spaß plötzlich tödlicher Ernst. Die Maschinen sind da. Was werden sie tun? Die zentrale Frage ist: wieviel
Vertrauen bringen wir einem intelligenten Androiden entgegen? Die Antwort: Keines. Die Ethik macht uns zum Menschen, nur anderen
Menschen vertrauen wir, weil wir unterstellen, dass sie Gefühle von Mitleid und Erbarmen kennen und sich von ihnen leiten
lassen, wenigstens, wenn es zum Äußersten kommt. Die Maschine, die dies nicht kennen kann, weil sie nach strenger Logik funktioniert,
arbeitet vorhersagbar und daher umso schrecklicher, ohne Gewissen, ohne Gnade, ist der animalische Feind, dessen Existenz
der Mensch in seinem Innersten kennt. Es ist letztlich die Erinnerung an den Feind, dem er Jahrtausende lang in der Wildnis,
der Wüste der Vorzeit ausgesetzt war. Das große Raubtier, das ihn überfällt und auffrisst, ohne Erbarmen, ohne Moral, nur
dem Trieb zu töten folgend. An diesen Urinstinkt appelliert Cameron mit Terminator wie vormals Westworld und er punktet fulminant. Beinahe aus dem Nichts
mit dem vorher allenfalls für seine Wortkargen Body-betonten Rollen belächelten Arnold Schwarzenegger in der martialischen
Hauptrolle gelingt ihm ein Meilenstein des Science Fiction Genres. Nicht so Perfekt, wie Blade Runner, weniger Subtil als
Alien, ohne die Vision von 2001. Doch mit Schnelligkeit, Rhythmus und Präzision. Seither sind Camerons Filme Achterbahnfahrten
hinab in die dunklen Tiefen unserer Seele, dorthin, wohin wir nicht schauen wollen, es sei denn zum gefahrlosen Nervenkitzel
in sicheren Kinosaal. Camerons Helden überzeichnen den Heldenmythos ins Maximale. Sie sind beinahe immer Frauen. Ripley in Aliens, Sarah Conner
in Terminator. James Cameron ist kein Emanzipationsfetischist. Seine Helden sind nur die, die sich wahrhaft überwinden um
zu siegen. Wo ist das Heldentum eines hühnenhaften und elegant bewaffneten John Wayne, eines vor Kraft und Intelligenz strotzenden
James Bond? Dies sind die Helden eines vergangenen Zeitalters, welches seine Oberen bewundern will, das davon lebt, dass es da draußen
die Beschützer gibt, die auf die man sich verlassen kann, die die alles regeln. Dies sind nicht die Helden mit denen sich
der Zuschauer wirklich identifiziert, sich identifizieren kann. In schwachen Momenten wären wir gerne Superman, wissen aber
zu gut, dass wir es nicht sind. Das Vergnügen besteht darin, zuzusehen, zu träumen, wie ein übermenschlicher Held die Verantwortung
übernimmt und uns zuruft, dass es in Ordnung geht wenn wir uns einfach ducken und die Verantwortung scheuen. James Cameron stellt die einfachen Menschen, die alltägliche Frau vor unlösbare Bedrohungen und betrachtet, durchaus ein wenig
sadistisch genußvoll, wie sie über sich und alle ihre chauvinistischen männlichen Helfer hinauswächst, zur wahren Heldin wird.
Dies ist der Held aus unseren Reihen. Der Held aus dem einfachen Volk. Vorbei die Zeit in der der Superheld uns Sicherheit
gab, vorbei die Zeiten in denen Superman in unserer Phantasie das regelte, was in der Realität Menschenleben forderte. Camerons
Helden leben in einer realen Welt und begegnen dem Irrealen, dem Unvorhersagbaren, dem Unaussprechlichen. Nicht der Held ist
hier mit Super-Kräften mehr ausgestattet, sondern sein Widersacher. Der Mensch tritt der Maschinerie entgegen. Seine Aussichten
zu überleben sind gering, zu siegen gleich null, denn alle Macht spricht gegen ihn. Und doch obsiegt er am Ende. Und das aus
nichts weniger, als seinen Tugenden heraus, aus seiner Besinnung lediglich auf sich selbst. Nicht die Superkräfte retten ihn, nicht der große Anführer, das Ultra-Alphatier, sondern er selbst. Seine Urtugenden, sein
Allzu-Menschliches, das was in der Mode mancher Zeit sogar belächelt und als Schwäche angesehen wird, hieraus erwächst die
Rettung: Freundschaft, Vertrauen, Liebe. Gefühle. Tugenden, so altmodisch das Wort klingen mag, dies sind die Rettungsanker
von James Camerons Geschichten. Manschmal verlacht und verspottet von zynischen Zeitgenossen. James Cameron setzt sie ins
Zentrum seiner Geschichten, dann wenn nichts bleibt, findet er hier Zuverlässigkeit und Halt. Und wer könnte diese unverhoffte
gefühlslastige Rettung besser verkörpern als die Frauen, diese allzu gefühlslastigen Wesen. Er setzt das Gefühl gegen das
Maschinelle, das Leben gegen den Stahl. Und das Leben siegt. Dabei verschweigt er nie die Opferbereitschaft und Härte, mit der seine Frauen zu Werke gehen, haben sie sich einmal für etwas
entschieden. Sie siegen am Ende, weil sie ganz ähnlich ihren Widersachern werden, ob es nun der Terminator ist, oder das Mutter-Alien:
sie kennen keine Gnade mehr, der Spaß ist vorbei, wenn sie sich entschließen zu kämpfen. Kein Humor bleibt, der etwas menschliches
erkennen lässt, wie ein Bruce Willis, der seine Gegner nie ohne einen coolen Spruch ins Jenseits befördert. Keine Pose, keine
selbstverliebte Macho-Geste mehr, mit der sich ein James Bond selbst zelebriert wie ein Gockel. Hier geht es ums nackte Überleben
und Camerons Frauen sind gewillt zu überleben. Gnade ihren Feinden. Schluß mit Lustig ist hier, wo eine Frau ums Überleben
kämpft. Es ist auch die Anerkennung der Frau in derselben Zeit, die Erfahrung von Trümmerfrauen und die Emanzipation, die diese Frauen
und ihre Kraft zu Camerons Faszinosum werden lassen. Und er lässt sie kämpfen. Freilich auch ein wenig wie der Dompteur seine
Schlamm-Catcherinnen. Mit der kontrollierenden männlichen Übersicht. Doch nimmt er sie ernst und er lässt ihnen den Heldenruhm,
der ihnen gebührt.
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