Equillibrium gehört zur großen Gruppe der Matrix-Nachahmer. In einer kalten, düsteren und durchgestylten Utopie wird erneut,
wie schon in Matrix, Gattaca und Dark City der Kampf Gut gegen Böse ausgetragen. Das Böse wird in der Welt von Equillibrium repräsentiert durch einen, scheinbar von reiner Vernunft geleiteten absolutistischen
Überwachungsstaat, der den Kampf gegen die Geiseln der Menschheit von Verbrechen, Mord und Krieg durch ein von Staatsseite
mit Waffengewalt durchgesetztes Verbot jeglicher Gefühle der Menschen zu gewinnen sucht. Mittels Drogen werden alle Gefühle
unterdrückt, die Einnahme dieser Drogen von einer Gefühls-Polizei, einer religiös verbrämten Super-Gestapo, genannt die 'Kleriker',
bewacht, die mit jeglichen Rechten ausgestattet sind, Verstöße gegen das Gefühls-Verbot mit standrechtlicher Exekution zu
ahnden. Menschenleben sind wertlos, Mitgefühl gibt es nicht. Euphemistisch 'Libria', 'Die Freie' betitelt, ist das System
von Equillibirum eine Welt stetiger Unterdrückung und Denunziation. Im Zentrum der Handlung steht - zunächst paradox erscheinend
-, welche vielfältigen Funktionen Gefühle im Dasein des Menschen haben, ihn erst zum Menschen machen. Der Film zeigt, wie
Menschen ohne Gefühle zu gefährlichen, rücksichtslosen und kalten Drohnen mutieren, keine Loyalität und keine eigene Moral
mehr kennen, streng und ohne Mitleid nach vorgegebenen Regeln handeln. Der Film ist reich an Symbolik, die dem Zuschauer nicht aufgedrängt wird, sondern ihrer Entdeckung harrt. Nur eines der vielsagenden
Details: Das an ein Hakenkreuz erinnernde Symbol des Staates und seines Herrschaftsanspruches ist in seiner Form identisch
mit dem Mündungsfeuer der Schußwaffen der Kleriker. Die Hauptperson ist einer der Kleriker. Ähnlich wie in Matrix ist die Hauptperson also zunächst Teil des Systems, erfährt
jedoch durch einschneidende Ereignisse nach einer Phase des Zweifels letztlich Läuterung und wendet sich gegen das System.
Die Charakterentwicklung ist glaubhaft gelungen, der Prozeß der Läuterung, ohne erhobenen Zeigefinger vorgetragen, diverse
Nebenhandlungspfade sorgen für Abwechslung und Überraschungen. Hier wurde offenkundig eine gute Idee verfilmt, nicht ein weiterer Trittbrettfahrer auf der Matrix-Welle produziert. Die
Welt von Equillibrium befindet sich in einem steten Bürgerkrieg, Mann gegen Mann, letztlich jeder gegen sich selbst, gegen
seine Natur. Equillibrium ist kein reiner Action-Reißer, sondern regt zum Nachdenken an. Ein Lehrstück auch über die Verführbarkeit
der Menschen zu vermeintlichen Heils-Utopien. Die Armseligkeit gefühllosen Daseins wird dem Reichtum der Gefühlswelt gegenübergestellt.
Ein Grundkurs, ein Plädoyer in Sinnlichkeit, für das Leben, gegen das bloße Funktionieren. Letztlich: gegen jede Gesellschaft
in der Konformität wichtiger wird als individuelle Moral, wo Menschlichkeit gegenüber dem System verliert, Zivilcourage zur
leeren Floskel wird. Ein Problem, das auch in unserer realen Gesellschaft gar nicht so fern ist. Ein Film, der an die Nieren
geht, keine leichte Kost, oberflächlich schon gar nicht, dabei doch unterhaltsam und lohnend. Der Film ist in visueller Hinsicht gelungen. Die Optik der kalten und formalen Architektur des Staates ist glaubhaft, der
Kontrast zu den gemütlichen, lieblichen Zimmern der Gefühlsverbrecher deutlich herausgestellt. Ausstattung, Schnitt und Rhythmus
der Szenen sind gekonnt und passen gut zur an einigen Stellen eindringlichen Musik. Die Kameraführung ist brilliant, suggestiv,
analytisch, der Ausdruck der Schauspieler subtil.
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